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Sternenhimmel

„Sternenhimmel, ich seh den Sternenhimmel“, dröhnte es aus den Boxen. Ich mochte „kleine Taschenlampe brenn“ von Markus eigentlich lieber, aber für eine rasante Autobahnfahrt eignete sich Hubert Kah besser. Da ging die Post ab. Ich drehte den Lautstärkeregler weiter auf. Die grollenden Bässe versetzten meinen Körper in angenehme Vibrationen und schlugen mir die Gedanken aus dem Kopf.

Vor einer Stunde hatten meine Hände noch gezittert und ich hatte getobt und geschrien. Jetzt war ich die Ruhe selbst. Meine Finger umfassten das weiche Lederlenkrad und mein Blick war klar und konzentriert auf die Schnellstraße gerichtet. Der weiße Mittelstreifen flog, wie ein Endlosband an an mir vorbei und der Kegel der Scheinwerfer erzeugte einen sicheren Tunnel aus Licht, der mir den Weg wies.

Autofahren beruhigte mich. Das Dahingleiten über den Asphalt, das monotone Brummen des Motors. Schon als Kind hatte mich das Geräusch in den Schlaf gewiegt. Im Moment war ich hellwach, aber ich befürchtete, dass mich eine große Müdigkeit überfallen würde, sobald sich das Adrenalin in meinem Körper verteilt und wieder einen normalen Pegel erreicht hatte.

Ich parkte den Maybach Exelero nah an der Klippe. Matthew war ein großer, schwerer Mann, und es hatte mich enorme Anstrengungen gekostet, seinen leblosen Körper ohne Hilfe in den Kofferraum des Wagens zu hieven. Ich zog und zerrte eine ganze Weile an Matthew herum, bis er schließlich mit einem dumpfen Aufschlag auf den lehmigen Boden stürzte.

Das Kofferraumlicht fiel auf Matthews Gesicht. Ich sah auf ihn herunter. Sein Blick war starr und kalt. Der Tod hatte nichts daran geändert. Sein Mund stand offen, als wäre er erstaunt darüber, dass ich, das kleine, dumme Frauchen, es fertig gebracht hatte, die Waffe gegen ihn zu richten und abzudrücken. Immerhin kamen nun keine gemeinen und verletzten Worte mehr über seine Lippen. Der Mann, dem ich ewige Treue in guten und schlechten Tagen geschworen und der mir das Leben zu Hölle gemacht hatte, konnte mir nichts mehr anhaben.

Ich schleifte Matthew mit letzter Kraft zum Rand der Klippe und stieß ihn hinunter. Sein Körper schlug auf die spitzen Felsen, die aus den tosenden Wellen des Atlantiks aufragten. Ein Hai der von Haien gefressen wird, schoss es mir durch den Kopf.

Ich stieg ins Auto, startete den Motor und fuhr los. Es gab nicht viele Besitztümer, die ich mit genommen hatte. Einige persönliche Erinnerungsstücke, etwas Kleidung, meinen neuen Pass und mein Schweizernummernkonto, auf das ich Matthews Gelder transferiert hatte. In ein paar Stunden würde ich in New York landen und meine guten Tage konnten beginnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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