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Posts Tagged ‘Kristall’

Schlüssel, Glas, Rot, Blütenblatt, Ende, Anruf

Der Wein in dem kostbar geschliffenen Kristallglas war tiefrot, wie die Blütenblätter der langstieligen Rose, die neben der Karaffe in einer schmalen Vase stand.

Sabrina betrachte die gefüllte Blüte. Sie war wunderschön. Sabrina verspürte den Drang die samtigen Blätter zu berühren. Die Worte des Mannes, ihr gegenüber, perlten an ihr ab, ohne in ihre Gedanken einzudringen.

Den ersten Sätzen folgte sie noch mit Interesse, fühlte sich dazu verpflichtet, immerhin hatte Anita ihr diese Verabredung verschafft.

Seit Sam fort war, hatte Sabrina niemand mehr an sich heran gelassen und ihre Schwester war inszwischen besorgt. Du musst loslassen und endlich weitermachen, sagte sie. Sabrina war anderer Ansicht, aber sie schätzte Anitas Fürsorge.

Der Mann, der sich als Tony vorgestellt hatte, drückte ihr die Rose mit einem Kompliment in die Hand, bestellte den Wein, ohne sie nach ihren Wünschen zu fragen und nachdem er sie nach ihrem Beruf und Hobbys gefragt hatte, begann er über sich zu palavern und Sandrines Gedanken begannen zu wandern.

Die Meldoie „spiel mir das Lied vom Tod“ riss Sabrina aus ihren Überlegungen. Die Gäste an den Nachbartischen sahen sich nach dem Störenfried um und tuschelten. Tony riss sein Smartphone aus der Jackentasche und nahm den Anruf entgegen.

„Hallo Martin“, sagte er laut und ohne Rücksicht auf die anderen Besucher. Dann diskutierte er mit dem Anrufer über das Für und Wieder des Kaufs eines neuen Motorrades.

Wo hat Anika diesen schrecklichen Typen aufgetrieben, dachte sie halb belustig, halb entsetzt, sie kann doch nicht im Ernst glauben, dass ich mich in den verlieben könnte?

Sabrina zog sich die Jacke an und nahm ihre Handtasche. Tony beendete das Gespräch nicht, er sagte nur:

„Warte kurz“, und zu Sabrina gewandt, „wo willst du hin?“

„Dahin wo ich hergekommen bin“, sie schüttelte ihren Schlüsselbund vor seiner Nase hin und her, „nach Hause.“

Sabrina nahm die Rose aus der Vase und verließ das Restaurant. Um Sam zu überflügeln brauchte es einiges mehr.

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Woronesh

„Und diese Stadt ist ganz zu Eis erstarrt,

Wie unter Glas ruhn Bäume, Firste, Schnee.

Unsicher ist des bunten Schlitten Fahrt,

Trägt der Kristall, auf dem ich zögernd geh.

Woroneshs Dom ein Krähenschwarm umgellt,

Und Pappeln und das Pastinagewölbe,

Verwaschen, trüb, von Sonnenstaub getönt,

Und ein Hauch der Schlacht vom Schnepfenfeld

Verströmt das Land, machtvoll und sieggekrönt.

Und jäh wie die erhobenen Pokale

Klirrn Pappeln über uns mit ihren Ästen,

Als feierten auf unserem Hochzeitsmahle

Die Freudenstunde Tausende von Gästen.

Jedoch in des verbannten Dichters Zimmer

Stehn wechselnd Angst und Muse ihre Wacht.

Nun kommt die Nacht,

Und einen neuen Morgen kennt sie nimmer.“

4.März1936

Poetische Worte einer bemerkenswerten Dichterin.

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