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Posts Tagged ‘Krösus’

„Natascha, haben sie alles notiert?“

„Ja, Professor“, schnell überfliege ich meine Aufzeichnungen, „alles vollständig.“

Professor Matika nimmt die dünne Goldrandbrille ab und reibt sich die Augen. Es ist weit nach Mitternacht und wir sitzen schon seit den frühen Morgenstunden an einer Übersetzung eines antiken Tagebuches. Der Professor fand es in einer halbzerfallenen Truhe in einem Kellerarchiv. Warum er dort suchte, erzählte er mich nicht, aber als Assistentin gehört es nicht zu meinem Kompetenzbereich, diese Dinge zu wissen.

Das Tagebuch gehörte einem Astronom und Mathematiker, Georg Joachim Rheticus. Er war ein Schüler des Kopernikus und an der Verbreitung der Idee des kopernikanischen Weltsystems beteiligt. Zu seinen Lebzeiten revolutionär.

„Haben sie gefunden, was sie gesucht haben, Professor?“

Er schaut auf und lächelt.

„Ich denke schon. In den mathematischen Formeln sind die Ansätze des Experiments enthalten. Ich bin sicher, es existieren weitere Aufzeichnungen. Wenn wir sie ausfindig machen können, dann“, Professor Matika bricht ab.

Sein Blick wandert zu einem imaginären Punkt an der gegenüberliegenden Wand. Ich fixiere ihn mit einem fragenden Blick und räuspere mich. Als könnte ihn das zum Weiterreden bewegen. Zu spät. Wenn der Professor in seine Betrachtungen versinkt, kann eine Bombe einschlagen, er würde es nicht bemerken. Für die nächsten zwei, drei Stunden ist er nicht ansprechbar.

Ich klappe meine Notizen zu und erhebe mich.

„Ich bin gleich wieder zurück, Professor.“

Er erwidert nichts. Ich gehe hinaus, schließe leise die Tür. Es wird Zeit die Suche nach weiteren Aufzeichnungen voranzutreiben. Der Professor fühlt sich der Wissenschaft verpflichtet, das Geheimnis um das Rheticus-Experiment zu lüften. Meine Absichten sind handfesterer Natur. Sollte die Formel funktionieren, werde ich so unvorstellbar reich sein, dass Krösus nur ein armer Wicht gewesen ist.

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… ist, dass es nicht so weiter gehen kann. Im Moment ändert sich alles. Unsere Familiengröße, meine Arbeit, meine Mobilität. Profan eigentlich, aber trotzdem ein wichtiger Faktor. Ich liebe Autofahren und jetzt habe ich mein eigenes winziges Auto. OK, es ist eigentlich ein Opi, aber ein rüstiger. Aquamarin mit 54 PS und 80.000 gelaufenen Kilometern. Wenn ich nicht auf den Spritverbrauch (Kosten) aufpassen müsste, würde ich ihn mit Sicherheit schon einige Kilometer bewegt haben. Bis jetzt steht er nur im Hof und wartet auf seinen Einsatz. Sein Name ist Morris Green und ich mag ihn. Er hat ein Radio, Verbandskasten, Warndreieck und einen Einkaufskorb im Kofferraum.

Ich bin überzeugt, dass wir beide eine gute Zeit haben werden. Und obwohl ich mir keine Illusionen mache – ich komme mir vor wie ein Teenager. Dabei habe ich meinen Führerschein erst mit 31 gemacht und mein letztes eigenes Auto hatte ich vor 8 Jahren. Vielleicht ist es das? Ein kleines Stück Freiheit. Ich muss zwar mit dem Sprit haushalten, aber wenn ich wollte, könnte ich hinfahren, wohin immer ich will.

Nach langer Suche ändert sich auch mein Status von arbeitssuchend in angestellt. Ich bin froh, endlich wieder was zum Familienkapital beitragen zu können und bin ziemlich aufgeregt, ob ich mir auch wirklich das ausgesucht habe, dass zu mir passt und mit dem ich glücklich werden kann. Denn da ist noch etwas …

… das Schreiben. In letzter Zeit unglücklicher Weise zu sehr in den Hintergrund getreten. Ich weiß eins und das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche (hätte meine Oma gesagt), ich will schreiben und das nicht nur als Lückenbüßerbetätigung einer gelangweilten Hausfrau. Das bin ich wirklich nicht, gelangweilt. Ich muss eher aufpassen, dass ich mich mit meinen ganzen Aktivitäten nicht übernehme. Aber da mein Mann kein Krösus ist und ich keine reiche Erbin und mein Bestseller auf sich warten lässt, muss ich arbeiten, um schreiben zu können. Schließlich will auch ein Schriftsteller etwas essen und Kaffee trinken ;-), und ab und an sind ein paar neue Schuhe nicht schlecht oder ein interessantes Buch. Dazu soll alles mit rechten Dingen zu gehen – Steuer, Sozialabgaben und so weiter … . Ein Wissen, das sich ein Normalsterblicher mühsam aneignen muss. Denn mal ehrlich, wer steigt durch den ganzen Paragrafendschungel durch, wenn er nicht gerade vom Fach ist? In den Zeiten allgemeiner Teuerung, wachsender Vorschriften und Mount-Everest-artigen Papierbergen eine Herausforderung.

Aber zurück zum Eigentlichen: Schreiben ist, was ich will. Darüber muss ich nicht nachdenken, das ist Fakt und Tatsache ist, dass sich alles diesem Ziel unterordnen muss. Wenn man erkannt hat, was für eine Bestimmung man im Leben hat, dann muss man dies tun. Mag meine Schreiberei gut oder schlecht sein, das ist im Grunde nicht wichtig (auch wenn ich mich redlich mühe), wichtig ist, dass mich Schreiben zufrieden macht und dass ich mit meiner Begeisterung und meinem Wissen andere für das Schreiben interessieren kann. Das ist der Punkt. Meine Begeisterung weitergeben und anderen ein Mittel zu zeigen, das ihnen im Leben einen Nutzen bringt. Ihre Kreativität zu entdecken, sich selbst zu erkennen, die Geschichten aus sich heraus zulassen, wortgewandter zu werden … .

„Nichts ist so sicher, wie die Veränderung.“ Nur eins wird sich nicht ändern: mein Wunsch zu schreiben.

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