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Posts Tagged ‘Lift’

Aufzug, grün, Kasten, Konditor

Der Aufzug hielt. Die Türen öffneten sich ächtzend. Skeptisch sah ich hinein. Das viereckige Innere des Kastens war in der unteren Hälfte mit grünem Samt ausgekleidet, in der oberen mit Spiegeln, die durch die Jahre teilweise erblindet waren. Vorsichtig setzte ich einen Fuß hinein. Der Kasten gab leicht nach. Mein Herz auch. Ich zögerte. Wenn das meine Prüfung sein sollte, dann musste ich die Zähne zusammenbeißen. Ich zog das zweite Bein nach und atmete einmal tief durch. Dieser Lift hing hier seit Jahrzehnten. Er würde heute nicht abstürzen, ermutigte ich mich und drückte auf den einzigen weiteren Knopf, außer dem des Erdgeschosses. Die Türen ächtzten wieder zu und mit einem Ruck, der sich in jeder Zelle meines Körpers fortsetzte, wurde der Lift nach oben gezogen.

(Leider würde der Konditor meine Geschichte zu diesem Zeitpunkt kaputt machen – also wurde er kurzerhand „erledigt“.)

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Der Aufzug ist klein. Es passen gerade einmal zwei Personen hinein, und auch nur dann, wenn sie sich hübsch in Reihe und Glied hinstellen. Anna drückt auf die 5. Die Türen schließen sich gemächlich. Er hat Zeit, denkt sie. Es riecht nach trockenem Holz und Muff. Das mag von dem grünen abgetretenen Teppich kommen, mit dem der Lift ausgestattet ist.

Mit einem ächzenden Geräusch setzt sich der Flaschenzug in Bewegung und hievt den kleinen Kasten der letzten Etage des Altbaus entgegen. Anna betrachtet sich in den Spiegeln, die an drei Seiten des Lifts angebracht sind. Sie sollen den Eindruck von Raum erwecken. Es gelingt ihnen nicht. Die kleine Gondel lässt Anna an eine Umkleidekabine oder einen begehbaren Kleiderschrank denken.

Das warme gelbe Licht an der Decke bestäubt Anna mit seiner Patina. Als wäre ich plötzlich so alt, wie der Fahrstuhl, geht es ihr durch den Kopf. Sie beugt sich etwas vor, entdeckt winzige blinde Fleckchen auf der Oberfläche. Sie kneift die Augen etwas zusammen. Zieht eine Grimasse. Jäh zuckt Anna zurück. Was war das! Ein Gesicht. Nicht ihr Gesicht! Erschrocken starrt sie auf den Spiegel. Ihre Hand fasst fest nach dem glatten Handlauf, poliert durch Tausende Hände in Jahrzehnten.

Der Fahrstuhl hält mit einem Rucken. Annas Herz ruckt mit. Die Tür öffnet sich bedächtig. Anna atmet auf. Sie steigt aus. Wirft einen schnellen Blick zurück. Gespiegelt.

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Die Vorgabe war ein Lebkuchenmann und ein Lift(Aufzug) und so kam ich zu meiner diesjährigen Weihnachtsgeschichte. 🙂

Verdammt, wie bin ich bloß hierhergekommen? In einen viereckiger Kasten aus Metall. Nicht viel größer als eine Keksdose. Ha, aber nicht besonders gemütlich und stinken tut es hier – iiiihhh bäh, da wird mir echt übel. Es riecht nach nassem Hund und Pippi, aber darüber möchte ich lieber nicht nachdenken. Ich bin so fluffig und lecker, der Gestank wird mich verderben, dann wird mich niemand mehr essen wollen.

Am liebsten würde ich heulen, aber dann weicht mein Zuckerguss auf. Wie viel besser wäre es in einer Keksdose mit silbernen Schneeflocken und kleinen Engelchen. In der Gesellschaft von Zimtsternen und Vanillekipferl fühle ich mich besonders wohl, das ist wenigstens ein vernünftiger Geruch! Und erst der Tannenduft, Orangen, Nelken und natürlich Lebkuchenduft.

Darum mögen mich die Leute auch so gerne. Ohne Lebkuchen kein Weihnachten. Nur mal so unter uns, die ersten gewürzten Honigkuchen gab es, wenn man den Historikern glauben darf, schon 350 v.Chr. in Ägypten.
Und DIE vergessen mich einfach hier in diesem dreckigen, stinkenden Kasten. Dabei hat mich ein Meisterbäcker aus Nürnberg gebacken und ich bin mein Geld wert!

Es macht ein surrendes, brummendes Geräusch. Ein Bing ertönt. Es zischt. Tageslicht fällt in den Kasten. Tapsen und Schritte erfüllen den Raum. Plötzlich leckt eine raue Zunge an mir herum. Es kitzelt. Meine bunten Schokoknöpfe lösen sich. Die Zunge schiebt mich über den stinkigen, feuchten Boden. Iiiihhh, holt mich hier raus! Die Zunge leckt weiter, spitze Zähne kauen an mir herum. Inzwischen fehlen mir ein Bein und ein Arm. Wo ist der Weihnachtsmann, wenn man ihn mal braucht?

Das Bing ertönt. Es zischt. Die Zunge lässt von mir ab. Tapsen und Schritte entfernen sich. Ich bin nur noch ein braunes, unansehnliches Häufchen Lebkuchen. Zuckerguss weg, Schokoköpfe weg. Leute weg. Mir reicht`s! Ich habe keinen Bock mehr auf Weihnachten! Im nächsten Leben werde ich Marzipankartoffel, die kommt nur im Rudel und in der Tüte.

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Mein Leben verlief in recht geordneten Bahnen, bis ich vor drei Tagen eine Tür öffnete und mit einem Mann zusammenstieß, der meine schöne Ordnung völlig durcheinanderbrachte.

Es war die Tür meiner Lieblingsbäckerei, gleich neben dem Haus, in dem ich wohnte. Gerade hatte ich mir einen Kaffee und ein Croissant gekauft, um mir eine gemütliche Schreibstunde an meinem Roman und in der Sonne sitzend zu gönnen.

Ich trug meine Laptoptasche über der Schulter, meinen Becher Cappu in der einen und meinen Teller in der anderen Hand. Der besagte Mann kam mir in dem Moment entgegen. Seine ganze Konzentration war auf sein Handy gerichtet, dass er fest an sein Ohr drückte. Groß und wichtig rechnete er nicht mit Gegenverkehr oder nahm zumindest an, dass dieser prompt ausweichen würde. Mercedes vor Mini.

Also preschte er mit unverminderter Geschwindigkeit an mir vorbei, oder hatte es vor, aber ich, beladen wie ein Maulesel, konnte nicht schnell genug von der Bildfläche verschwinden und stieß mit ihm zusammen.

Es war wie in einem dieser Filme. Ich sah in Slow Motion, wie meine Tasse im Flug Flüssigkeit verspritzend hinunter fiel und konnte, das Geräusch des Zerbrechens hören, noch bevor sie aufschlug. Mein Croissant segelte zwischen die Bistrotischchen auf dem Bürgersteig und was am Schlimmsten war, die Tasche mit dem Laptop rutschte mir von der Schulter. Ich konnte nichts dagegen tun. Nur zusehen. Der dumpfe Aufprall des Computers drang durch meine Gehörgänge in mein Hirn und ließ sofort meine Tränenproduktion in Aktion treten. Mein bestes Stück lag auf kalten Betonfliesen.

Er hatte innegehalten, ohne das Handy vom Ohr zunehmen. Mit der freien Hand schüttelte er ein paar Tropfen Cappu von seinem Designerjackett, als wären es lästige Fliegen. Ich kannte ihn vom Sehen. Er wohnte in dem Haus gegenüber. Im Penthouse. Glas und Stahl vom Feinsten.

„Alles OK“, fragte er, das Handy schien an seinem Kopf angetackert zu sein.

Ich versuchte die aufkommende Hysterie zu unterdrücken. „Kaffee und Croissant kann ich neu kaufen, aber mein Laptop ist meine Existenz!“

Er zog eine Augenbraue hoch, als ob er damit sagen wollte, dass ich nicht so maßlos übertreiben sollte.

„Ich bin Schriftstellerin und arbeite nebenbei als freie Mitarbeiterin bei einer Zeitung“, schob ich nach und ärgerte mich über meinen Versuch mich zu rechtfertigen. Immerhin hatte er mich überrannt.

„Tut mir leid“, endlich nahm er das Handy herunter und steckte es in die Jackentasche. Ich glaubte ihm nicht.

Dann bückte er sich, hob meine Tasche auf und reichte sie mir. Ich öffnete den Reißverschluss und sah hinein. Natürlich gab es nichts zu sehen. Wenn mein Laptop etwas abbekommen hatte, dann würde sich das erst zeigen, wenn ich es in Betrieb nahm.

„Alles OK?“, fragte er.

Ich zuckte mit den Schultern.

„Woher soll ich das wissen? Ich habe noch keinen Röntgenblick.“

Es sollte witzig klingen, hörte sich aber nicht so an.

„Dann sollten sie meinen Techniker mal einen Blick darauf werfen lassen.“

Ich sah mich suchend um.

„Und wo haben sie den versteckt? In ihrem Handy vielleicht?“

Unsere Blicke trafen sich und die Kälte, die ich auffing, ließ mich in der Sonne frösteln.

„Wenn sie meine Hilfe nicht wollen – noch einen schönen Tag.“

Er drehte sich um und ging. Völlig perplex sah ich ihm nach. War das wirklich passiert oder gehörte das zu dem Film von vorhin? Ohne sich umzudrehen, ging er über die Straße. Ich eilte hinter ihm her. So leicht würde er nicht davon kommen. Er betrat das Foyer seines Wohnhauses. Kurz bevor die schwere Haustür zu schlug, schlüpfte ich durch den Spalt. Der Portier sah mich mit prüfendem Blick an. Bevor er Fragen stellen konnte, deutete ich auf die Aufzüge, zeigte ein entschuldigendes Lächeln und log, ohne rot zu werden:

„Ich bin seine neue Privatsekretärin. Er hat es mal wieder ganz besonders eilig. Aber sie kennen das ja bestimmt.“

Ein winziges Zögern, dann winkte er mich durch. Er schien großen Respekt vor Mister X zu haben. Bestimmt hatte er sich schon den ein oder anderen Tadel eingefahren.

Die Lifttüren schwebten geräuschlos auf und ich trat ein. Mein Bild wurde von der Rundumverspiegelung mehrfach wiedergegeben und ich beschloss auf dem Rückweg die Treppe zu nehmen. Mich so deutlich ausgeleuchtet von allen Seiten zu sehen, war nicht gut für mein Selbstwertgefühl. Daran änderte das sanfte Gedudel der Fahrstuhlmusik auch nichts.

 

Dieser Text entstand aus den Anfangsworten, die dick gedruckt sind 🙂 . Da mich zur Zeit ein eingeklemmter Nerv ärgert, ist die Geschichte leider noch nicht fertig geworden, aber wer Lust hat, darf nach den Anfangsworten gerne seine eigene Story schreiben.

 

 

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