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Posts Tagged ‘Mann’

„Was war das Schrecklichste, das du je getan hast?“

Sander sah mich aufmerksam und mit einem lüsternen Funkeln im Blick an.

„Das ist eine merkwürdige Frage, besonders da wir uns kaum kennen“, wehrte ich ab.

Ich stand auf und ging zum Fenster. Ich wollte nicht, dass er mein Gesicht sehen konnte. Denn trotzdem wir uns erst vor ein paar Tagen in diesem Hotel kennengelernt hatten, war ich von ihm fasziniert. In verschiedener Hinsicht. Erstens war ein ausgesprochen gutaussehender Mann. Tatsächlich war er geradezu schön. Und zweitens schien er in den Menschen lesen zu können. Ihre Wünsche, ihre Neigungen – gute wie schlechte – und mehr als einmal erlebte ich, dass er ihnen ihre Geheimnisse entlockte. Wie er es machte war mir unbegreiflich. Eins war mir allerdings aufgefallen. Sander sah der betreffenden Person tief in die Augen oder er berührte sie.

Ich musste mich vor ihm in Acht nehmen. Mein Geheimnis durfte nie bekannt werden, auch wenn es bedeutete, dass ich mich von Sander fernhalten musste.

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„Mary Flinn, du bist dumm, wenn du ihn nicht heiratest.“

Mary sah Tante Agatha mit gleichgültigem Gesichtsausdruck an. Dies war der dritte Bewerber in zwei Wochen, den sie ihr vorgestellt hatte. Einer schlimmer, als der andere. Alle Anwärter waren mit einem ansehnlichen Vermögen ausgestattet und bereit Mary zu ehelichen, obwohl diese keinen Penny besaß. Das war einerseits kein Wunder, denn Mary Flinn war eine außerordentliche Schönheit. Andererseits stellte es ein Problem dar, denn sie war ebenfalls klug und eigenwillig. Mit Nachdruck hatte sie ihrer Tante erklärt, dass sie keinen Mann heiraten würde, den sie nicht liebte und respektieren konnte.

Die ersten beiden Brautwerber waren einfältige Schwätzer, viele Jahre älter und so völlig ohne Manieren, dass es Mary eiskalt den Rücken herunterlief. Der dritte machte auf den ersten Blick einen angenehmen Eindruck, aber Mary merkte aus seinen Äußerungen recht schnell, dass er Frauen als notwendiges Übel betrachtete, um zahlreichen Nachwuchs zu bekommen. Als er erwähnte, dass seine Mutter sie auf Herz und Nieren prüfen würde, bevor ein Ehevertrag zustande käme, lehnte sie dankend ab. Dieser entwürdigenden Prozedur würde sie sich niemals unterziehen.

„Du hast noch eine Chance! Entweder willigst du bei dem nächsten Bewerber ein oder du verdienst dir deinen Lebensunterhalt auf der Straße“, sagte Tante Agatha spitz, „meine Gutmütigkeit hat ein Ende!“

Sie drehte sich um, verließ das Zimmer und schloss die Tür mit einem lauten Krachen. Mary zuckte mit keiner Wimper.

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Rückblickend betrachtet war es vorauszusehen,

aber wer will schon das Ende sehen, ehe es begonnen hat? Vorallem wenn man sich auf der Gewinnerstraße sieht, glaubt man hätte das Glück seines Lebens gefunden. Ich war nicht so klug mich meinen stürmischen Gefühlen zu widersetzen und beim ersten Anzeichen von Zweifel zu sagen: stop! Bis hierhin und nicht weiter. Nun weiß ich es besser. Leider sitze ich auf einer menschenleeren Bahnstation mitten in der russichen Pampa, ohne Geld, Ausweis, nur mit den Kleidern, die ich am Leib trage. Inzwischen habe ich mir hundertmal geschworen beim nächsten Mann vorsichtiger zu sein, nur in diesem Moment bringt mich die Erkenntnis nicht weiter.

 

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„Wann haben sie Henry March das letze Mal gesehen?“

Kommissar Harris sah Miss Nadine mit strengem Blick an. Sie zuckte mit den Schultern.

„Es scheint ihnen nicht viel auszumachen, dass er vermisst wird. Ich dachte, er sei ihr Verlobter.“

Nadine überlegte kurz, ob sie eine Träne herausdrücken sollte, aber ihr Blick in Kommissar Harris Gesicht ließ sie daran zweifeln, dass dies eine Wirkung gehabt hätte. Sie entschloss sich ihm die Wahrheit zu sagen.

„Nein, Kommissar Harris, es macht mir nichts aus. Mister March und ich waren verlobt, aber nicht auf meinen Wunsch hin. Vermutlich wissen sie, dass er ein reicher Mann war, um nicht Nabob zu sagen. Eine Tatsache, die meine Eltern motiviert haben, mich an ihn zu verkaufen.“

Nadine hilt inne. Stimme hatte einen scharfen bitteren Klang angenommen. Sie atmete ein paar mal durch, dann hatte sie sich wieder gefasst.

„Ich nehme an, dass erklärt mein Desinteresse an Mister Marchs Aufenthaltsort. Und um auch das noch zu klären, ja, ich hoffe, er taucht nie wieder auf. Sonst sähe ich mich gezwungen, durchzubrennen.“

Kommissar Harris konnte sich, trotz des Ernstes der Situation, ein Lächeln nicht verkneifen. Er war Mister March einmal begegnet und war zu der Ansicht gekommen, einen arroganten, bösartigen Mann vor sich zu haben. Dass Miss Nadine sein Verschwinden nicht bedauerte, konnte er durchaus nachvollziehen. Sie war eine apparte dunkelhaarige Schönheit mit faszinierenden grünen Augen und einer reizvollen Figur.

„Gut“, sagte er wieder ernst und erhob sich. „sie haben ihren Standpunkt klar dargestellt.“ Harris wandte sich von Nadine ab und ging ans Fenster. Sein Blick fiel auf einen weitläufigen gepflegten Garten. „Würden sie mir bitte jetzt die Frage beantworten, wann sie Mister March das letzte Mal gesehen haben.“

„Es muss am Dienstag gewesen sein“, antwortete Nadine mit ihrer melodischen Stimme, „als ich ihn in inniger Umarmung mit unserer Hausdame erwischte.“

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Diese Ferien zu buchen, war ein Fehler! Was hatte ich mir nur dabei gedacht. Rucksack-Urlaub in Rumänien. Wandern von Schloss zu Schloss, auf den Spuren von Graf Dracula.

Ich kannte mich mit den Schlössern besser aus, als unser Reiseleiter. Er war eine absolute Niete. Ich sage, war, weil er tot ist. Wer lesen kann ist klar im Vorteil, sag ich immer, und das konnte der nicht. Wie sonst ist es zu erklären, dass ich in dieser Kerkerzelle sitze und der Rest der Reisegruppe bei Graf Dracula auf dem Teller gelandet ist?

Ich sagte dem Blödmann, diese Burg sollten wir auf keinen Fall betreten. In meinem Reiseführer stand: Gefährliche Ruine! Nicht sicher! Bitte nicht betreten! Ich las es ihm vor. Laut und deutlich.

Er lachte nur und ging einfach los. Er war gerade um die nächste Ecke verschwunden, als ich seine Hilfeschreie hörte. Ich hätte ihm nicht helfen sollen wollen. Denn als ich um die Ecke stürmte, um dem Rindvieh zu helfen, fiel ich Graf Dracula in die schönen Hände. Das habe ich jetzt davon. Er hat mich bis zum Schluss aufgehoben. Na wenigstens werde ich von einem sehr gutaussehenden Mann um die Ecke gebracht. Ich sollte dankbar sein, denn so ein Exemplar habe ich in meinem echten Leben noch nie gesehen.

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„Ich habe das Gefühl, der Mann, auf dem Plakat an der Wand dort drüben, starrt mich an.“

Biene legte den Kopf schief und machte einen Schritt zurück.

„Ach Bienchen, aus dir spricht der Alkohol.“ Mary lachte und zog sie sanft am Arm hinter sich her. „Wir sind gleich beim Auto. Heute Nacht wirst du schlafen wie ein Stein.“

„Doch echt! Die Augen bewegen sich. Wirklich“, nuschtelte Biene.

Mary schüttelte den Kopf, warum müssen sich die Leute immer so volllaufen lassen. Sie seufzte. Manchmal wünschte sie sich, sie könnte den Reiz dahinter erkennen. Doch in Situationen, wie dieser, wusste sie, dass sie niemals in diesen Zustand kommen wollte. Gekonnt buxierte Mary die brabbelnde Biene auf den Beifahrersitz und schnallte sie sorgfältig an.

„Plakataugen, die einen anschauen“, murmelte sie und wendete sich vorsichtshalber noch einmal dem Plakat zu. Sie konnte nichts Auffälliges erkennen. „Nichts. Wie könnte es auch anders sein.“

Mary stieg ein und startete den Motor. Die Augen des Mannes auf dem Plakat registrierten jede ihrer Bewegungen.

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„Wir treffen uns beim Tempel des Amor“, flüsterte mir seine Lordschaft zu, „gegen zehn, dann werden die anderen schon schlafen.“

Ich nickte nur. Ein Widerspruch hätte nichts genützt. Es war jedes Mal dasselbe. Irgendwann kamen die Herren in meiner Umgebung darauf, dass ich leicht zu haben sei. Für mich das Zeichen mich so schnell wie möglich aus dem Staub zu machen.

Ich wünschte mir sehnlich, dass es einen Mann gab, der mich wollte, ohne für meine Gabe – besser meinen Fluch – anfällig zu sein. Nur weil der Elfenkönig Oberon meine Mutter mit der roten Blume des Amor berührt hatte, als sie mit mir schwanger war, haftete mir die Versuchung an, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte.

Nach Einbruch der Dunkelheit packte ich meine wenigen Habseligkeiten und verließ das Schloss durch den Dienstboteneingang.

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