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Posts Tagged ‘Mistkerl’

Brüste, Kompass, Wohnzimmer, locker

Wo ist mein Kompass! Ich weiß, dass ich ihn im Wohnzimmer, in die kleine verschließbare Schublade, in meinen Sekretär gelegt habe.

Unglaublich! Am Schloss bemerke ich Kratzer. Aufgebrochen? Wer könnte an meinem Kompass interessiert sein?

Martin, der Misterkerl! Er muss es gewesen sein. Er hat mich ein paar mal gefragt, ob er sich den Kompass leihen kann. Ich habe es abgelehnt.

Eigentlich bin ich recht locker, wenn es darum geht etwas zu verleihen. Nur bei meinem Kompass nicht. Mein Vater hat ihn mir vererbt. Der hat ihn von seinem Vater und der von seinem und so weiter, und so weiter.

Ich spüre, wie sich ein furchtbarer Druck auf meine Brust legt. Wenn ich den Kompass nicht bald zurückbekomme, ist es zu spät. Er will gefüttert werden und ich bin die einizige, die weiß, wo sein Futter ist.

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Szene aus der Kindheit von Rowenna (Tag 87/88)

Rowenna und Laurence sitzen auf der niedrigen Natursteinmauer, die das Haus von Laurence Großeltern von der Straße trennt. Zu ihren Füßen liegt ein Bernersennenhund und blinzelt ab und zu in die Sonne. Zwischen den beiden Kindern steht eine Papiertüte mit Kirschen. Rowenna spukt einen abgenagten Kirschkern auf die Straße. Er klackt einmal auf und springt auf den Rasenstreifen auf der anderen Seite.

„Einmal über die Straße!“, ruft sie triumphierend, „das musst du mir erst mal nachmachen.“

„Das gilt nicht. Der Kern ist einmal aufgeditscht!“, widerspricht Laurence.

Er schürzt die Lippen, ruckt mit dem Kopf zurück, dann vor und spukt. Der Kern landet wenige Zentimeter vor dem Randstreifen der gegenüberliegenden Seite.

„Das musst du mir nachmachen!“

Laurence sieht Rowenna mit einem siegessicheren Grinsen an. Sie spukt den nächsten Stein. In einem hohen Bogen fliegt er diesmal direkt auf den Randstreifen.

„Bitte! Ich kann es!“

Laurence will etwas erwidern, als ein Stein durch die Luft saust und ihn an der Schulter trifft.

„Hey, wer war das?!“

Laurence reibt sich die schmerzende Stelle und rutscht von der Mauer. Suchend sieht er sich um. Ein weiterer Stein trifft den schlafenden Hund. Er springt auf und jault.

„Da!“, schreit Rowenna, „in der Hecke!“

Noch ehe Laurence den Attentäter entdeckt hat, ist Rowenna über die Straße gerannt und kriecht durch die Hecke.

„Andy, du blöder Mistkerl“, hört Laurence sie auf der anderen Seite der Hecke schreien. „Feigling!“

Er kriecht ebenfalls hindurch und sieht gerade noch, wie Rowenna dem Rowdy der Klasse mit voller Wucht die Faust auf die Nase schlägt. Sofort quillt Blut heraus und Andy heult auf.

„Du dumme Kuh!“, Andy hält sich die Hände vor die Nase, „das sage ich meinem Vater!“

„Mach doch! Dann kannst du ihm gleich sagen, dass du uns aus dem Hinterhalt angegriffen hast. Bin gespannt was er dazu sagt!“

Die letzten Worte hört Andy schon nicht mehr, so schnell hat er das Weite gesucht. Rowenna lacht und grinst Laurence an.

„Dem hab ich es gegeben! Ein hilfloses Tier mit Steinen zu bewerfen, was für ein Blödmann. Soll sein Vater nur kommen.“

„Darauf kannst du wetten. Das lässt der sich nicht entgehen.“ Auf Laurence kindlich glatter Stirn erschienen ein paar zarte Denkerfalten. „Erinnerst du dich an den Krach den er bei uns geschlagen hat, als mein Bruder und Andy sich geprügelt haben?“

Rowenna lachte.

„Und wie ich mich erinnere! Das war Dorfgespräch.“

Die beiden Kinder kriechen durch die Hecke, zurück auf die Straßenseite. Rowenna kniet sich vor den Hund und krault ihn hinter den Ohren.

„Du lieber Artur, alles gut? Das macht der so schnell nicht wieder. Ich pass auf dich auf“, sie blickt zu Laurence hoch, „und auf dich auch.“

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Die Kategorie heißt deswegen „Second Life“, weil die Texte in der Ich-Form geschrieben sind und meinen Fantasien zu verschiedenen „Blitzideen“ aus Filmen und Büchern entsprungen sind, die ich beim Schauen und Lesen hatte. Das heißt, dass es zu den Szenen zwar eine Art Vorgeschichte gibt, die ich aber nicht ausgeschrieben habe. Teils aus Zeit – und  teils Lustgründen. Nein, ich bin nicht faul *ggg*, nur manchmal bequem und manchmal in Zeitnot. Spaß hat das Schreiben trotzdem gemacht – weil ich es einfach wollte 😉 . Ich hoffe, die Texte machen euch auch Spaß.

Oxford, Episode II, Juni 2010

Nervös drücke ich auf den Klingelknopf. Es dauert eine Weile, bis ich Schritte höre. James reißt die Tür auf. Ein erstaunter Blick aus seinen hellen Augen trifft mich.

„Oh, was verschafft mir denn das unerwartete Vergnügen“, Ironie pur.

„Ich habe Licht bei dir gesehen, da dachte ich … .“

„Da dachtest du, sieh mal nach wie es dem armen Deppen geht.“

Ich schüttele den Kopf.

„Nein. Ich … .“

„Oder hat dich der Chef zu meiner Beobachtung abgestellt.“

„Bitte James! Meine Schwester wohnt zwei Straßen weiter. Ich wollte nach Hause und sah, dass du noch wach bist.“

Sein Blick fällt auf meine offenen Haare und mein ausgeschnittenes Top.

„Du bist ja wirklich ein Mädchen. Nach unserem letzten Treffen, war ich mir da nicht mehr sicher.“

Er zieht an einer Haarsträhne, was mich nervöser macht, als ich ohnehin schon bin.

„Tja, so sehe ich aus, wenn ich in Zivil bin.“

Ich ringe mir ein Lächeln ab, aber James hat sich schon abgewandt. Ich folge ihm ins Wohnzimmer. Er lässt sich auf die Couch fallen und greift nach seinem Weinglas.

„Also warum bist du wirklich hier?“

James nimmt einen tiefen Zug und fixiert mich. Sein sezierender Blick ist mir unangenehm. Er ist so unnahbar, undurchschaubar. Ich kenne ihn inzwischen zwei Jahre, sehe ihn jeden Tag acht oder mehr Stunden bei der Arbeit und weiß nicht was in ihm vorgeht.

„Weil ich dir etwas erklären wollte.“

Ich lasse mich neben ihm auf der Sofakante nieder.

„Du bist mir nichts schuldig. Schon gar keine Erklärungen.“

Er schüttelt unwillig den Kopf.

„Ich will es aber. Bitte!“

Tränen steigen mir in die Augen. Ich lege meine Hand auf seine. James zieht sie weg. Er hasst mich. Ich habe es verdorben. Aber was sollte ich tun? Ich musste ihn schützen, auch wenn es bedeutete sein Herz zu brechen. Ich weiß nur zu genau, was es bedeutet ein gebrochenes Herz mit sich herum zu schleppen. Tag für Tag. Dem Menschen gegenüber zustehen, den man mehr liebt, als sein Leben und es ihm nicht zeigen zu dürfen.

„Na dann, schieß mal los.“

„Er hat gesagt, wenn ich dir das Herz nicht breche, dann tut er es“, flüstere ich und versuche das Schluchzen zu unterdrücken „das konnte ich nicht zulassen. Vielleicht kannst du mir nicht verzeihen, aber irgendwann möglicherweise verstehen.“

James sagt kein Wort. Ich spüre seinen Blick auf meinem Gesicht, aber ich schaffe es nicht, ihn anzusehen. Der Gedanke an den irren Killer, der James töten wollte entsetzt mich immer noch, auch wenn der Mistkerl seit drei Monaten tot ist und ich die Kugel auf ihn abgefeuert habe.

„Ich sollte gehen“, schlage ich resigniert vor und will aufstehen.

James greift nach meiner Hand und zieht mich zurück auf die Couch.

„Warum willst du mich unbedingt retten?“

Seine Finger umspannen mein Handgelenkt. Warm und fest. Ich kann nicht mehr denken.

„Ich liebe dich.“

Im selben Moment verwünsche ich meine Schwäche.

„Du liebst mich?“

James ist mir plötzlich ganz nah. Er packt mich bei den Schultern und zieht mich dicht an sich heran.

„Sag mir die Wahrheit.“

„Es ist wahr. Schon lange. Er hat mir gedroht, dir etwas anzutun, für den Fall, dass ich es dir sage.“

„Dafür ist es jetzt zu spät“, James lächelt.

„Wenn dir etwas zugestoßen wäre, dass hätte ich nicht ertragen.“

Tränen tropfen auf mein Top. James zieht mich in seine Arme. Bedeckt mein Gesicht mit vielen zarten Küssen.

„Du denkst doch nicht wirklich, dass ich dich jetzt wieder gehen lasse.“

Seine Lippen suchen meinen Mund. Ohne nachzudenken schmiege ich mich an ihn. Seine Finger fahren durch mein offenes Haar, gleiten meinen Rücken hinab und schieben sich unter mein Top. Als James meine nackte Haut berührt, bin ich verloren.

„Oh Gott, James … .“

„Psst“, er sieht mich liebevoll an, „ich liebe dich auch. Seit wir uns das erste Mal begegnet sind, wusste ich dass da etwas ist zwischen uns. Und jetzt gehörst du mir. Hörst du? Mir allein.“

Sein leidenschaftlicher Kuss lässt keinen Zweifel daran aufkommen, was gemeint ist. Langsam entkleidet er mich Stück für Stück. Küsst jeden Zentimeter neu entdeckter Haut. Als ich endlich nackt bin, bin ich so erregt, dass ich beinah überfließe. James streift sich Shirt und Hose ab. Haut an Haut liegen wir eng umschlungen auf der Couch. Seine Finger tanzen über meinen Körper, sein Mund, seine Zunge versetzen mich in Brand. James flüstert mir verführerische Worte ins Ohr. Sein sehniger, schlanker Körper und seine Erektion an meinem Bauch erregen mich.

„Komm bitte, ich will dich endlich ganz fühlen“, flüstere ich.

Tief und unwiderstehlich dringt James in mich ein und ich weiß, dass es sich richtig anfühlt. Viel zu lange habe ich darauf gewartet.

„Du gehörst mir“, seine Worte brennen sich in meine rotierenden Gedanken, „egal was auch immer passiert. Ich kann dich nicht wieder gehen lassen.“

„Ich weiß“, meine Lippen berühren sein Ohrläppchen.

James stöhnt leise. Geschmeidig wie ein Raubtier bewegt er seine Lenden in einem erregenden Takt, stimuliert meine Perle, die sich gierig gegen seinen Körper presst. Der Orgasmus erfolgt unerwartet, reißt mich weg. Blitze explodieren hinter meinen Liedern. Feuerwerk in Kopf und Körper. Meine Möse pulst um seinen Schwanz, meine Finger krallen sich in seine Schultern. Aufbäumen, ein Schrei, ein harter Stoß, sein heißer Saft vermischt mit meinem. Eng umschlungen liegen wir da. Er bedeckt meinen Körper mit seinem. Zärtlich suchen seine Lippen meine. Sein Kuss erschüttert meinen Körper aufs Neue.

„Du bist was ich immer wollte“, James sieht mich an. Sein Blick ist sanft und offen. „Zwischen uns soll es nie wieder solche Missverständnisse geben.“

„Ich verspreche es.“

„Und ich verspreche dir, dass ich dich niemals loslasse und dich bis zu meinem letzten Atemzug beschützen werde. Ich lasse nicht zu, dass uns jemand auseinander bringt.“

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen küsst James mich wieder und ich glaube ihm jedes Wort.

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Egal was ich tue, ich kriege die Gedanken an das Sterben im Besonderen und im Allgemeinen nicht aus meinem Kopf. Ist vielleicht auch ein bisschen viel verlangt, wenn ich bedenke, dass mein Bruder um sein Leben kämpft oder gegen den Tod. Ich fühle mich wie festgenagelt auf diese Gedanken. Wenn ich lese, dann komme ich zeitweise davon weg, aber wenn ich schreiben will und nach Worten suche, komme ich am Ende wieder an diese Kreuzung. Ich bin müde. Mein Kopf ist erschöpft.

Ich möchte den NaNo zu Ende schreiben, oder sagen wir mal weiter schreiben. In diesem Monat werde ich das nicht mehr schaffen. Es sei denn, ich könnte 20.000 Worte schreiben in der nächsten Woche (könnten ja auch weniger sein, wenn die Geschichte zu einem Abschluss käme … ja wenn!). Die Geschichte mit den zwei „künstlichen“ Kreaturen gefällt mir. Jetzt wieder hängen zu bleiben, macht mich bestimmt nicht fröhlich, wenn ich bedenke, dass ich noch einen Roman in der Warteschleife habe. Das frustriert mich nicht nur. Nein! Das deprimiert mich definitiv und macht mich wütend. Am liebsten würde ich mich einfach irgendwo hinlegen, Decke über den Kopf und schlafen, bis alles vorbei ist.

Was ist dieses Alles? Keine Ahnung und davon habe ich zurzeit viel zu viel. Ich mit meiner großen Klappe habe zu allem was zu sagen und eine Meinung und jetzt sitz ich da und krieg keinen graden Satz raus?! Habe ich wirklich was zu sagen? Sind nicht alles nur Nichtigkeiten, Kleinkram? Meine „Probleme“ sind ein Witz, wenn ich an meinen Bruder denke, an dritte Weltländer, Krieg im Nahen Osten usw. Die Liste ist lang. Ich fühle mich elend, weil ich so ein Jammerlappen bin und doch nicht in der Lage mich aus meinem Tief aufzurappeln.

Ich hasse es, wenn die Dinge ihren Sinn verlieren. Muss denn alles einen Sinn haben? Ich fürchte, ich bin tatsächlich so gestrickt. Was ich tue, soll „gut“ sein, auch wenn in diversen Schreibratgebern immer wieder gesagt wird: „Schreiben sie schlecht, um ihren inneren Zensor zu überwinden.“ Mein innerer Zensor hat genug mit meinen allgemeinen Texten zu tun, was alles erst, wenn ich auch noch absichtlich „schlecht“ schreiben soll. Wobei „er“ mir sofort die Frage stellt (und ich sehe sein hämisches Grinsen): „Schreibst du nicht schon „schlecht“? Da musst du es doch nicht absichtlich machen und mir den Tag versauen.“

Gibt es irgendein Gift, das diesen Mistkerl langsam und qualvoll um die Ecke bringt?!

Gedankenkarusselle sind übel. Wohin du sie auch drehst, es kommt nichts dabei heraus. Du landest immer an derselben Stelle. Du weißt meistens, dass deine Gedanken völlig absurd sind und du doch endlich (verdammt noch mal) aufhören solltest sie lang und breit zu treten. Aber du kannst es nicht. Aussteigen! Jetzt sofort! Wenn es jemand gibt, der einen guten Vorschlag hat: Du wirst ein Vermögen damit machen, wenn das funktioniert!

Könnte auch sein, ich bin nicht überzeugt genug von mir. Henry Miller schrieb dauernd, verweigerte sich einer „anständigen“ Arbeit. Pumpte Freunde und Fremde an, schrieb Bittbriefe und machte Zeitungsaufrufe ihn zu unterstützen. Und egal wie viel Erfolg er mit seinen Büchern hatte, er war zwar wütend darüber, nicht genug gewürdigt zu werden, aber er hielt sich für einen guten (sehr guten) Schriftsteller. Das gab ihm sicher auch das Selbstverständnis dafür, dass er ohne Gewissensbisse dazu in der Lage war, die Spenden anzunehmen. Henry war ein entschiedener Mann. In allem, was er tat. Er verabscheute den Krieg und die Atombombe. Hielt Amerika für ein kulturloses Land. Liebte schöne Frauen (besonders wenn sie jung und hübsch waren), schrieb wie ein Besessener und muss trotz aller Widrigkeiten ein charmanter Mann gewesen sein. Er hatte viele Bewunderer, die ihn unterstützten und Himmel und Hölle in Bewegung setzten, um sein Werk drucken zu lassen und zu verbreiten.

Ich lese gerne Biografien von Schriftstellern. Es gibt mir Auftrieb, wenn ich lese, dass sie ebenso kämpfen mussten und es ihnen nicht leicht fiel immer dabei zu bleiben und am Ende Meisterwerke dabei heraus kamen (bei machen erst post mortem). Anderseits macht es mir Bauchschmerzen, weil ich die Befürchtung habe, dass ich nicht so bin. Nicht so enthusiastisch und willensstark. Besonders an diesen Tagen, in denen ich mich so ungelenkig und sprachlos fühle. Rainald Goetz sagte: „Don`t cry work.“ Ja, ja, ich weiß, dass du recht hast. Ich mach ja schon! Aber vorher brauch ich noch einen Kaffee und ein paar Seiten Henry Miller.

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