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Posts Tagged ‘Monster’

„Kennst du mich noch?“

Was für eine Frage, dachte ich, als könnte ich dieses Monster jemals vergessen. Ich drehte mich um und sah in das gutgeschnittene Gesicht.

„Nein, müsste ich mich an sie erinnern?“, fragte ich so beiläufig wie möglich.

Er grinste und in diesem Moment legte sich dieses verschlagene Funkeln in seine Augen, dass mir bei unserer Begegnung vor vier Jahren entgangen war. Hätte ich es doch sofort bemerkt, doch ich war von seiner Erscheinung und seinem Charme geblendet und erkannte nicht, wie abgrundtief böse er wirklich war.

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„Wenn dir jemand einreden will, es gäbe keine Monster, glaub ihnen kein Wort“, flüsterte der alte Mann.

Magnus sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.

„Was redest du für einen Unsinn, Alter!“, winkte er ab, „du hast viel zu tief ins Glas geschaut. Aus dir spricht der Fusel.“

In seiner Ehre gekränkt richtete sich der Mann auf. Sein Blick war klar und seine Stimme fest, als er sagte:

„Ich habe die Monster gesehen, Herr. Wenn ihr mir nicht glaubt, überzeugt euch selbst.“

Er legte ein Goldstück auf den Tresen. Der Wirt starrte ungläubig darauf, dann schnappte er danach, als würde sein Leben davon abhängen.

Der Alte erhob sich. Magnus rührte sich nicht.

„Nun, Herr? Habt ihr Angst oder seid ihr bereit, zum Abenteuer eures Lebens aufzubrechen.“

Träge erhob Magnus sich. Was kann es schaden, dachte er, allenfalls ein paar verschenkte Stunden.

„Aber ich muss euch warnen: wenn ihr sie einmal gesehen habt, gibt es kein Zurück.“

Wieder winkte Magnus ab.

„Unk nicht, sondern zeig mir deine Monster, dann werden wir ja sehen.“

Der Mann nickte mit bedeutungsschwerem Blick. Magnus sah ein gefährliches Funkeln, das zuvor nicht dagewesen war und fühlte einen leisen Zweifel aufsteigen. Doch sein Stolz verbot ihm, sein Angebot zurückzuziehen.

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Ich sitze beim Essen. Die Kerze strömt einen sanften Duft aus. Musik läuft im Hintergrund. Meine Kehle wird eng, schnürt sich immer weiter zu, bis die ungehörten Schreie mir als Tränen in die Augen steigen. Ich esse. Kann nicht aufhören.

Tränen rinnen mir über die Wangen. Sie verschmelzen mit dem Essen auf der Gabel. Ich schmecke die Einsamkeit auf meiner Zunge, schlucke sie mit jedem Bissen. Mühsam versuche ich die Tränen zu unterdrücken, sie abzuwischen. Es kommen immer neue. Der Strom endet nicht, wenn der Damm gebrochen ist.

Ich spende Trost, bin da, wenn man mich braucht, lache und bin gutgelaunt, halte alles aus, was man mir auch aufbürdet, ich bin stark. Bis der Augenblicke kommt in dem ich es wieder erkenne – ich bin allein. Mehr als das. Ich bin einsam. Eisige, gefrorene Einsamkeit, die alles lähmt, mir alles nimmt.

Das Monster bricht aus seinem gut gehüteten Gefängnis. Es schlägt seine Krallen in den letzten Rest Hoffnung. Mit seinem gierigen Maul verschlingt es jedes andere Gefühl. Taucht jeden Sinn in abgrundtiefe Finsternis.

Ich bin allein mit meinem Schmerz, meiner Traurigkeit, meiner Sehnsucht nach Liebe, Händen, die mich halten. Getrennt von allen Menschen löst sich die Camouflage der Fröhlichkeit in der Lauge aus Einsamkeit und Qual. Ich werde unsichtbar. Kein Wort wird noch gehört. Kein Schluchzen ist es wert sich umzudrehen.

Ich esse, schlucke salzige Tropfen. Kann nicht aufhören. Muss immer weiter trinken. Den Schmerz meiner Seele herunterwürgen, bis mir das Herz zerbricht und ich endlich frei sein kann. Nur noch ein Hauch, der vermischt mit den Morgennebeln entschwindet im Licht der aufgehenden Sonne.

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„Geh da nicht rein!“ Jo hielt Pali am Arm fest. „Dort schlafen die Drachen!“

Pali schüttelte den Kopf. Ein verächtlicher Zug spielte um seinen Mund.

„Das ist Blödsinn. Ein Märchen, das die alten Leute erzählen, um den Kindern Angst zu machen.“

Er befreite sich aus Jos Griff. Der war nicht bereit aufzugeben.

„Und doch ist es wahr! Mein Urgroßvater hat einen gesehen. Nicht nur das. Er war auf der Jagd dabei. Niemand überlebte, nur er, weil er schlau genug war, sich rechtzeitig zu verstecken.“

„Bisschen feige, meinst du nicht?“

Pali ging weiter und überquerte die Schattengrenze ins Reich der Feuerdrachen.

„Feige?! Was glaubst du, können Menschen gegen feuerspuckende Monster ausrichten?“, schrie Jo hinter ihm her.

Doch Pali war schon zu weit fort, um Jo zu hören. Er blickte seinem Freund nach. Jo zögerte. Dann gab er sich einen Ruck und folgte ihm. Sein Urgroßvater war kein Feigling gewesen. Er war es auch nicht.

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(Oder das Monster in meinem Kopf)

Eine Frage, die ich mir so oft gestellt habe, dass ich sie gut sein und hinter mir lassen könnte. Und doch, ist da diese kleine fiese Stimme in meinem Kopf, die mich nervt.

Ich bin ein Schreiber. Ja. Aber bin ich ein Schriftsteller? Gut, ich habe einen Roman veröffentlicht, der sich ca. 5000 Mal verkauft hat.

Jetzt kommt das unvermeidliche ABER: unter Pseudonym und einen erotischen Roman. Das an besagt nichts und doch scheint es mir nicht zu reichen, um mich Schriftstellerin zu nennen. Ich stehe dazu, sehe mich aber in einer gewissen Rechtfertigungshaltung. Warum? Ist es, weil nicht mein eigener Name vorne draufsteht oder weil es in der Geschichte um Sex geht?

Barbara Cartland ist eine Bestsellerautorin. Auch wenn sie „Liebes-Schmonzetten“ geschrieben hat, hat sie sich damit eine goldene Nase verdient. Selbst Dan Brown bleibt bei seinem Erzählschema. Und jetzt mal ehrlich, in Shades of Grey geht’s doch auch nicht wirklich um die Story.

Ist es, dass ich einfach Spaß beim Schreiben haben will? Dass ich keine „Kunstbücher“ schreibe? Mein Motto ist: ich schreibe mir das Leben schön. Ist das zu leicht gedacht? Ist meine Idee: ich will mit meinen Geschichten unterhalten, zu anspruchslos? Ist man ein Schriftsteller, wenn man auf einer Liste steht oder, wenn man eine Botschaft hat?

Nicht, dass es in meinen Geschichten um nichts ginge. Es geht um etwas. Immer! Sonst wäre es langweilig. Allerdings gebe ich zu, dass meine Figuren nicht die Welt retten. Sie versuchen herauszufinden, wer sie sind und wozu sie in der Lage sind. Oder wie sie ihre Liebe finden.

Ich schreibe oft und viel über Liebe. Vielleicht weil sie mir alles bedeutet. Liebe bedeutet alles. Ohne Liebe sind wir verloren. Und doch verlieren meine Personen. Manchmal ist das Leben ungerecht. Da hilft es auch nicht, so sehr zu lieben, dass einem das Herz bricht. Am Ende bleibt oft die Sehnsucht, was wäre wenn…

Das ist etwas, dass ich früh in meinem Leben lernen musste. Einfach nur zu lieben, hält den Verlust nicht fern. Es macht ihn unerklärlich, aber er tritt trotz aller Gegenwehr ein.

Ich beneide die, die so selbstbewusst sind, sich ohne zu zögern Schriftsteller nennen. Komischerweise habe ich keine Probleme damit zu sagen, dass ich Kurse für kreatives Schreiben gebe. Bin ich zu zurückhaltend? Was kann ich tun, um das zu ändern? Selbstbewusster zu sein?

Gerade habe ich einen Durchhänger. Ich schreibe an einem neuen Roman. Die Geschichte bedeutet mir etwas. Es geht um Treue und Freundschaft, Rache, Tod und Leben, Schönheit und Vergänglichkeit. Ich will den Roman auf jeden Fall zu Ende schreiben. Um mich handwerklich zu verbessern (und meine Betriebsblindheit zu überlisten) habe ich einen Kurs bei der VHS besucht. Manuskriptvorbereitung. Eine kompetente, sehr nette Kursleiterin, und ein gutes Konzept. Ich konnte wichtige Aspekte mitnehmen. Und?

Bin total blockiert. Die Leichtigkeit und der Enthusiasmus sind weg. Ich betrachte meinen Text mit Argusaugen. Jedes Wort liegt auf der Goldwaage. Ich hinterfrage jeden Satz, jeden Absatz auf seinen Wert, statt einfach drauflos zu schreiben und mir die Kritik für später aufzuheben.

Oh, mein Gott, ich habe ein Monster geschaffen. Und damit meine ich nicht das Monster, das in meiner Geschichte vorkommt, sondern das, das hinter mir am Schreibtisch steht und mir dauernd einflüstert: „Du kriegst die Geschichte nie so hin, wie du es dir vorstellst. Wer will das schon lesen? Du findest sowieso keinen Verlag dafür. Hat beim letzen Mal auch nicht geklappt.“ Und was der noch alles raushaut, um mich umzuhauen.

Und so schleiche ich um meinen Roman herum, die Szene, die ich schreiben will genau im Kopf, und drücke mich(soll ich die Szene wirklich so schreiben?). Ich schreibe alles Mögliche: Blogbeiträge, überarbeite ältere Texte, schreibe Notizen aus meinem Arbeitsjournal ab, beschäftige mich mit Drehbuchschreiben und meinem Kurs, der erst in vier Wochen anfängt und für den ich das Konzept seit Monaten fertig habe. Ich putze, häkele, lese, gehe spazieren usw.

Ist ja nur`ne Phase! – Hahaha. Sage ich mir auch. Geholfen hat es noch nicht. Ich suche nach dem besten Mittel das Monster zu töten. Das hinter meinem Rücken. Das Miststück ist schlau. Es kämpft mit allen Tricks. Aber ich will nicht aufgeben und wenn ich auf dem Zahnfleisch kriechen muss. Was das betrifft, bin ich Schriftsteller, denn ich weiß, dass es den „richtigen“ Schriftstellern auch nicht besser geht. (Siehe Titus Müller, Federwelt Nr.109, Dez. 2014 – Wie ich es schaffe, trotz Selbstzweifeln produktiv zu sein)

Es ist nichts Ehrenrühriges ein Schreiber zu sein. Damit fängt es an. Bei jedem Schriftsteller. Also, gehe ich Monster jagen. Ich kriege es, früher oder später. Da wette ich drauf!

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