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Posts Tagged ‘Nervosität’

Irgendetwas hatte angefangen, aber es hatte noch keinen Namen. Eine fieberhafte Nervosität befiel Bryand. Er schloss sich in der Bibliothek ein und machte sich auf die Suche nach dem Buch der Seher. Bryand wusste, dass er es zuletzt im Jahre 1223 gesehen, ihm damals aber noch zu wenig Bedeutung beigemessen hatte. Zu der Zeit nahmen ihn die Kreuzzüge in Anspruch und Bryand hatte das Buch wieder ins Regal gestellt. Irgendwo ganz hinten in den letzten Reihen.

Bryand hörte wie jemand mit der Faust gegen die Tür hämmerte.

„Was ist los?“, rief Bryand.

Er stand auf einer Leiter und angelte nach einem dicken Lederband.

„Bryand, komm endlich aus der Bibliothek. Du bist schon seit zwei Tagen da drin.“

„Ich kann nicht. Zuerst muss ich das Buch finden, Hendrik.“

Bryand reckte sich weiter, erreichte den Band und griff zu.

„Dann lass mich dir helfen. Zwei Augenpaare sehen mehr, als eins.“

Das Buch wackelte und fiel herunter.

„Bryand!“, Hendrik rüttelte an der Tür, „ist dir was passiert.“

„Nein“, hörte er es dumpf nach außen dringen, „warte ich komme und öffne dir.“

Hendrik verdrehte die Augen. Dass sein Onkel aber auch so verdammt dickköpfig sein musste. Selbst nach sechshundert Jahren hatte er sich immer noch nicht daran gewöhnt.

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„Ich lebe, um zu schreiben.“

Katherine Mansfield

Ich kann Katherine zu 100 Prozent zu stimmen. Egal, wie gut oder schlecht meine Texte sein mögen, ob sie „veröffentlicht“ werden oder nicht. Schreiben ist das, was ich tun will. Nicht mehr, nicht weniger. Mich darüber freuen einen geneigten Leser zu finden, der meine Texte liest und für ein paar Minuten die Zeit vergisst.

Seid ich meinen neuen Job habe, rotiere ich an allen Fronten. Ich habe nette Kollegen und die Arbeit macht mir Spaß. Trotzdem schmerzt es mich, dass ich sehr viel weniger Zeit zum Schreiben habe und in der Zeit, die ich habe müde oder geistig erschöpft bin. In mir ist eine innere Unruhe und Nervosität, die sich nur vertreiben lässt, wenn ich schreibe oder in anderer Hinsicht kreativ sein kann.

Im Gespräch mit einer Freundin, sagt sie: „Ich wäre dankbar, wenn ich wieder etwas Routine in meinem Leben hätte.“ Eins der Dinge, die man oft verachtet. Routine – laufen im Hamsterrad des Lebens – nein, das will niemand und doch, auch ich bin dankbar für eine gewisse Arbeitsroutine, die sich langsam einstellt. Sie enthebt mich des ständigen Nachdenkens. Wie war das nochmal? Machst du alles richtig? Hast du nichts vergessen?

Ich lebe nicht, um zu arbeiten. Ich lebe, um zu schreiben! Darum habe ich eine Arbeit gewählt, die mir so viel freie Zeit zum Schreiben wie möglich gibt und trotzdem meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Das Ganze ist ein Teufelskreis. Hab ich Zeit und kann schreiben, muss ich mir Gedanken machen, wie ich den nächsten Monat rumbringe. Hab ich Arbeit, die mir ermöglicht nicht jeden Euro zweimal umzudrehen, habe ich wenig Zeit und mein Kopf ist voll mit „unnützen“ Gedanken.

Doch am Ende des Tages zählt nur eins: Schreiben. Jedes Wort, jeder Satz, vielleicht ein Absatz oder eine Seite lässt mich aufatmen – lässt mich atmen. Luftholen! Aussteigen aus dem Hamsterrad, einsteigen in das Reich meiner Fantasie.

Ich lebe, um zu schreiben! Und schreibe, um zu leben. Das eine bedingt das andere. Ich schreibe, um einem geneigten Leser und mir selbst einen Moment des Luftholens zu verschaffen. Und so wird es bis zum Ende bleiben. Mein Leben ohne Schreiben ist möglich, aber undenkbar.

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„Chrismas Shopping in New York! Oh, Gott bin ich aufgeregt. Ich liebe New York! Das ist die aufregendste Stadt der Welt.“

Linda verdrehte die Augen. Natascha nervte sie seit drei Wochen. Linda hatte den Tripp im Radio bei einem Gewinnspiel gewonnen. Natascha zu fragen, ob sie Lust hatte, sie zu begleiten war nächstliegend gewesen. Immerhin war sie ihre beste Freundin. Inzwischen zweifelte Linda an ihrer Entscheidung. Sie hatte nicht gedacht, dass Natascha derartig durchdrehen würde.

„Gleich sind wir dran“, Natascha zappelte vor Nervosität, „hast du die Bordkarten bereit.“

Nur noch ein Pärchen stand vor ihnen. Gleich waren sie dran.

„Ja“, erwiderte Linda einsilbig.

„Ich liebe New York! Ich liebe es einfach.“

Linda ballte die Fäuste. Ganz ruhig, dachte sie, ganz ruhig. Denk einfach an deinen Plan, dann wird alles gut.

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Ich beginne diesen Text mit einem großen Augenzwinkern, denn obwohl ich dieses Jahr ein halbes Jahrhundert vollende, fühle ich mich nicht gerade mit einem Bein im Grab 😉 . Klar, die Knochen knacken manchmal, aber das ist nicht gerade ein Altersphänomen. Im Gegenteil empfinde ich, dass die innere Gelassenheit ein großer Vorteil ist. Ich vermeide es, zu hetzen oder unter Druck zu kommen. So bleibt genug Zeit für Freunde, Familie, natürlich das Schreiben … oder einfach mal nichts tun. Es könnte auch sein, dass ich nicht das Gefühl habe, mir etwas beweisen zu müssen. Ich liebe, was ich tue. Im Beruf arbeite ich im sozialen Bereich, was ich als sehr zufriedenstellend empfinde und in meiner Berufung – zu schreiben und andere mit meiner Begeisterung dafür anzustecken – kommt dann noch das Sahnehäubchen obendrauf.

Heute will ich nicht mehr schnell irgendwohin, auch wenn ich es liebe schnell Auto zu fahren. Die Zeit ist begrenzt, und zu versuchen sie mit irgendwelchen hektischen Aktivitäten vollzustopfen, fügt meiner Zeit keine hinzu. Es könnte sogar sein, dass der Stress einem vor der Zeit die Luft abdrückt. Aber das soll nicht heißen,  ich würde lahm in meiner Sofaecke hängen. Nein, ich hab da eine Liste, von der ich noch einiges zu erledigen gedenke.

Da wäre  ganz oben:

1. einen tollen Fantasyroman zu schreiben und bei einem großen Verlag zu veröffentlichen ( also bei Interesse bitte melden! Einer ist fertig, der andere in Arbeit.)

2. ein halbes Jahr in einem kleinen Haus hinter dem Deich zu leben und zu schreiben –  könnte auch gerne länger sein 🙂

3. meine Spanischkenntnisse auffrischen (!!!)

4. in London ein Shakespeare-Stück im Theater zu sehen (oh Himmel, das wäre soooo cool!)

5. die britischen Inseln zu bereisen

6. eine Städtereise nach Barcelona (eine tolle Stadt) – Spanien überhaupt

7. einen Hund aus dem Tierheim holen (aber dazu müsste ich mehr Zeit haben )

…. auf der Liste gibt es natürlich noch mehr Punkte, die sind nicht so spektakulär und schneller zu erfüllen… einen Punkt, der nicht auf der Liste stand, kann ich jetzt dazu schreiben und gleichzeitig abhaken:

Einmal als Model über den Laufsteg gehen. *ggg*

Eine interessante Erfahrung. Dreiundfünfzig Modelle, die entweder ihre eigenen Kreationen vorführen oder ein Model „geleast“ haben, so wie mich. Als meine Tochter mir von dem „Schwarz-Weiß“-Kreativ-Wettbewerb erzählte, sagte ich: Das ist toll. Und sie: Ich mach mit, wenn du mein Model bist. Ich: klar.

Freitag war der große Tag. Auf zur Handwerkskammer und die Kreation vor fünf Juroren (Schneidermeister) vorführen. Die Räumlichkeiten waren voll junger Leute mit tollen Klamotten, dazwischen ein Handwerksmeister mit Instruktionen zur Choreografie. Ich hing an seinen Lippen und dachte, hoffentlich kann ich mir das alles merken. Beim Schaulauf stellte sich heraus, dass ich es mir gemerkt hatte. Meine Tochter zeigte Daumen hoch. Ich war erleichtert. Schließlich wollte ich, dass sie stolz auf mich ist. Ich glaube, ich war die Einzige, die entspannt war. So viel Nervosität in einem Raum habe ich noch nie erlebt. Bei der Lesung, vor knapp einer Woche kamen wir dicht dran, aber nur ganz knapp 🙂 . Mir hat das Wahnsinnsspaß gemacht. Model sein und die Lesung natürlich.

In vier Wochen geht es auf die große Bühne: 500 Leute im Saal und ich bei einer richtigen Modenschau mit Choreografie und so. O-Ton: Ich will euch alle in Laufschuhen sehen. Da kam ich mir tatsächlich vor wie bei Next-Topmodel *lacht* – ich hätte allerdings lieber Jorge Gonzalez, als Laufsteg-Trainer, der ist lockerer und witzig.  Meine Oma hätte zwei Sprichwörter dafür: „Man wird so alt wie ne Kuh und lernt immer noch dazu“ – und – „man kann es eher abwarten als ablaufen“. Tja, Oma hatte Recht. Sie war eben eine weise Frau.

So kann ich einen Punkt auf meine Liste hinzufügen, von dem ich vorher gar nicht wusste, dass ich das Mal machen wollte. Gleichzeitig kann ich diesen Punkt gleich wieder abhaken. Vermutlich wird es meine einzige Modelerfahrung bleiben, aber es war toll und ich hatte so viel Spaß.

Durch dieses Erlebnis habe ich festgestellt, dass es Sachen gibt, die ich noch tun sollte, und von denen ich bist jetzt nichts wusste. Meiner Liste gibt es also noch einiges hinzuzufügen.

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