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Posts Tagged ‘Oberflächliches’

oder: Verführt

„Ich bin dann weg!“, ruft Marc.

Er steckt seinen Kopf zur Wohnzimmertür herein und grinst. Chic sieht er aus. Dunkle Hose, Leinenhemd. Sein elegant lässiges Outfit fiel mir schon bei unserem ersten Treffen, vor einem Jahr, auf, als ich mich für das WG-Zimmer bewarb.

„So?“, ich schaue von meinem Buch auf, „ich dachte, du wolltest heute einen chilligen Abend machen?“

„Tja, das hat sich vor fünf Minuten zu meinen Gunsten geändert“, triumphiert er.

Ich weiß, woher der Wind weht. Heute Abend soll noch was laufen. Deswegen glatt rasiert und Haare gestylt.

„Tussi-Alarm“, sage ich zynisch. „Was willst du bloß mit diesem dummen Huhn?“

„Was ich mit der will? Mensch, Lea! Muss ich dir das wirklich erklären?“

„Was heißt, Mensch, Lea? Du hast mir selbst gesagt, du willst jemand mit dem du reden kannst und nicht so was Oberflächliches.“

Marc zieht die Augenbrauen hoch und sieht mich prüfend an, dann lacht er. Oh mein Gott, womit habe ich das verdient. Ich wünschte, ich könnte meine Eifersucht unterdrücken.

„Fürs Reden und Philosophieren habe ich doch dich!“, er kommt zu mir herüber und lässt sich neben mir aufs Sofa fallen, „Wann hattest du deinen letzten Freund? Ich schätze, du musst mal wieder zum Zuge kommen. So ungevögelt, wie du rumläufst, das geht gar nicht.“

Ich sehe Marc irritiert an. Seine blauen Augen bringen mich total durcheinander.

„Das hast du jetzt nicht wirklich gesagt?“

Er legt vertraulich seinen Arm um meine Schulter. Ich liebe seinen Duft aus einem Hauch Parfüm, Wärme und frischem Hemd.

„Doch habe ich.“

„Und wen sollte ich deiner Meinung nach vögeln?“ Ich verschränke die Arme vor der Brust. Seine Nähe lähmt meine Synapsen. Immer. „Irgendwelche Vorschläge?“

Marc legt die Hand unter mein Kinn und hebt mein Gesicht zu sich empor. Dieser intensive Blick. Mein Herz macht einen Hopser. Verdammt! Nicht weich werden.

„Lass mich überlegen“, er schmunzelt und sieht mich vielsagend an, „du bist hübsch, hast einen Körper, der sich sehen lassen kann und klug bist du auch. Da wird sich doch ein Kerl finden lassen.“

„Ein Kerl?!“

Empört schiebe ich seine Hand von meiner Schulter und will aufstehen. Marc fasst nach meiner Hand und zieht mich mit einem Ruck zurück aufs Sofa. In seine Arme.

„Wohin so eilig?“

„Ich will nicht irgendeinen Kerl, ich will … “, ich breche ab. Halt bloß die Klappe, denke ich.

„Du willst was?“

Marc lässt sich nicht beirren. Ich hätte es wissen müssen.

„Wieso interessiert dich das?“, frage ich angriffslustig, „solltest du deiner Tussi nicht gerade die Kleider vom Leib reißen?“

Marc sieht mich ernst an. Das beunruhigt mich.

„Das ist keine Kunst. Die Kunst besteht darin, eine Frau zu verführen.“ Seine Stimme ist plötzlich tiefer und sanfter. Trifft einen Punkt in meinem Bauch. „Ihr zu offenbaren, was sie braucht, ehe sie es selbst weiß“, Marc beugt sich vor und schaut mir intensiv in die Augen. Himmel, hat der Mann lange Wimpern. Mir stockt der Atem. „Ihre Sinne zum Vibrieren zu bringen. Ihren Körper und ihre Seele zu lesen.“

Seine Lippen berühren ganz leicht meine Mundwinkel. Ich schließe die Augen. Höre seinen Atem, fühle ihn auf meiner Haut. Marcs Fingerspitzen streichen über meine Lippen, hinterlassen ein irrwitziges Kribbeln. In meinem Kopf geht alles Drunter und Drüber.

„Sie zu erforschen, erkennen, was ihre Erregung reizt. Ihr zu zeigen, was Begehren bedeutet.“

Nach jedem Wort küsst Marc mein Gesicht. Ich kann meine Gedanken nicht mehr festhalten. Er legt seinen Arm um meine Taille, zieht mich näher heran. Die freie Hand schiebt er gemächlich unter mein Shirt, küsst mich ohne Unterbrechung weiter. Seine Hand legt Brandherde auf meine Haut. Er hat es nicht eilig.

„Sag mir, wen du willst“, flüstert er.

Ein heißer Schauer rinnt über meinen Körper. Marc küsst sich meinen Hals hinab. Meine Finger verkrampfen sich in seinem Hemd. Er hat mich. Nicht erst seit heute.

„Du weißt es.“

„Ja, aber ich will, dass du es sagst.“

Ich kann das Lächeln in seiner Stimme hören.

„Warum?“, versuche ich Zeit zu gewinnen.

„Weil du es bist.“

Ich schaue ihn an und kann es kaum fassen. Was mir seine Augen in dem Moment atemloser Stille sagen, bricht alles auf.

„Ich will dich“, flüstere ich.

„Endlich“, es klingt erleichtert.

Marcs fordernder Kuss reißt jeden Schutz, jede Mauer ein. Endgültig!

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