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Posts Tagged ‘Pfütze’

Ich ging, bevor er mich dazu aufforderte. Ich hatte sie zusammen gesehen und wusste, es ist aus, nicht sicher ob ich erleichtert oder traurig sein sollte.

Ich trat auf die Straße. Ein milder Regen fiel. Ich hatte meinen Schirm vergessen. Es störte mich nicht, ich genoss die sanften Tröpfchen auf meiner Haut und meinen Lippen. Es schmeckte süß.

Mit jedem Schritt wurde es leichter. Ich war frei! Die Fäden gelöst, dem täglichen Theater entkommen, mit den einengenden Gewohnheiten gebrochen. Mit einem beschwingten Hopser sprang ich in eine Pfütze und lachte.

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„Jeder Augenblick, jedes beiläufige hingeworfenen Wort,
jeder Blick, jeder tiefe oder nur als Scherz gemeinte Gedanke,
jede unmerkliche Regung des menschlichen Herzens,
ebenso wie der fliegende Flaum der Pappeln oder
das Blinken der Sterne in einer Pfütze bei Nacht –
alles sind kleine Körnchen Goldstaub.
Wir Schriftsteller gewinnen sie im Laufe von Jahrzehnten,
diese Millionen kleiner Körnchen,
wir sammeln sie, ohne es selbst zu merken,
verwandeln sie in eine Legierung
und schmieden dann aus dieser Legierung
unsere „Goldene Rose“ –
eine Erzählung, einen Roman oder eine Dichtung.“

Konstantin Paustowski, Die goldene Rose

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Jeden Tag sehe ich ihn an meinem kleinen Laden vorbei gehen. Groß, dunkle Haare, teure Kleidung, Aktentasche. Ich weiß genau, um welche Uhrzeit er kommt. Kann ich ihn an einem Tag nicht sehen, fehlt mir etwas. Dieses Sehnen breitet sich in meinem Körper aus, wie ein Parasit. Ich weiß nicht warum oder warum gerade er. Es gibt zig Männer, die mir in Lauf meines Tages begegnen und dann gibt es da noch den Mann, mit dem ich zusammenlebe. Und doch kann ich an keinen anderen mehr denken. Dabei hat er mich nicht einmal bewusst wahrgenommen. Nur ein Mal habe ich durch Zufall in seine Augen gesehen.

Es war einer dieser wolkenverhangene Schneetage, kalt und ungemütlich. Ich war spät aus dem Haus gekommen und musste den Weg im Laufschritt zurücklegen. Vor meinem Laden hatte sich auf einer Pfütze eine Eisschicht gebildet. Ich rutschte und hätte er mich nicht gehalten – er fing mich auf, ich nahm seinen Duft wahr, der sofort mein Gehirn infiltrierte. Sein Lächeln, die kleinen Fältchen, die sich um seine klaren blauen Augen bildeten, und seine samtig tiefe Stimme, die einen Widerhall in meiner Seele fand, säten eine Sehnsucht in meinen Körper, die ich kaum aushalten kann.

Seit diesem Tag warte ich auf ihn. Jeden Morgen zur gleichen Zeit.

Die Musik zu dem Text stammt von Craig David „Seven Days“.

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