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Schlüssel, Glas, Rot, Blütenblatt, Ende, Anruf

Der Wein in dem kostbar geschliffenen Kristallglas war tiefrot, wie die Blütenblätter der langstieligen Rose, die neben der Karaffe in einer schmalen Vase stand.

Sabrina betrachte die gefüllte Blüte. Sie war wunderschön. Sabrina verspürte den Drang die samtigen Blätter zu berühren. Die Worte des Mannes, ihr gegenüber, perlten an ihr ab, ohne in ihre Gedanken einzudringen.

Den ersten Sätzen folgte sie noch mit Interesse, fühlte sich dazu verpflichtet, immerhin hatte Anita ihr diese Verabredung verschafft.

Seit Sam fort war, hatte Sabrina niemand mehr an sich heran gelassen und ihre Schwester war inszwischen besorgt. Du musst loslassen und endlich weitermachen, sagte sie. Sabrina war anderer Ansicht, aber sie schätzte Anitas Fürsorge.

Der Mann, der sich als Tony vorgestellt hatte, drückte ihr die Rose mit einem Kompliment in die Hand, bestellte den Wein, ohne sie nach ihren Wünschen zu fragen und nachdem er sie nach ihrem Beruf und Hobbys gefragt hatte, begann er über sich zu palavern und Sandrines Gedanken begannen zu wandern.

Die Meldoie „spiel mir das Lied vom Tod“ riss Sabrina aus ihren Überlegungen. Die Gäste an den Nachbartischen sahen sich nach dem Störenfried um und tuschelten. Tony riss sein Smartphone aus der Jackentasche und nahm den Anruf entgegen.

„Hallo Martin“, sagte er laut und ohne Rücksicht auf die anderen Besucher. Dann diskutierte er mit dem Anrufer über das Für und Wieder des Kaufs eines neuen Motorrades.

Wo hat Anika diesen schrecklichen Typen aufgetrieben, dachte sie halb belustig, halb entsetzt, sie kann doch nicht im Ernst glauben, dass ich mich in den verlieben könnte?

Sabrina zog sich die Jacke an und nahm ihre Handtasche. Tony beendete das Gespräch nicht, er sagte nur:

„Warte kurz“, und zu Sabrina gewandt, „wo willst du hin?“

„Dahin wo ich hergekommen bin“, sie schüttelte ihren Schlüsselbund vor seiner Nase hin und her, „nach Hause.“

Sabrina nahm die Rose aus der Vase und verließ das Restaurant. Um Sam zu überflügeln brauchte es einiges mehr.

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Noch ein Text über Essen und seine Wirkung auf Beziehungen *g*. Es hätte auch lecker werden können, vielleicht beim nächsten Mal. Entstand übrigens in an demselben Nachmittag, wie der Gewürztext.

Ahle Worscht, Tomaten, Eier, Pecorino, Mozzarella, Mangochutney

Immer wenn er Paris erwähnt, muss ich an das Restaurant-Desaster denken. Tausende gibt es in Paris. Bistros jeder Couleur. Restaurants aller Nationen. Wohin lud Holger mich ein? In einen dieser typisch Touriimbisse. Bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass es solche schäbigen Etablissements in dieser mondänen Stadt überhaupt gab. Holger hatte es mit seinem untrüglichen Gespür fürs Banale gefunden. Wie ein Bluthund, der die Ahle Worscht einen Kilometer gegen den Sturm riechen kann.

Ich wehrte mich mit Händen und Füßen. Holger, der die stoische Ruhe eines Bernhardiners hat, um bei den Hundevergleichen zu bleiben, ließ sich nicht abbringen. Mit größter Skepsis bestellte ich ein Omelette aus drei Eiern mit verschiedenen Käsesorten, Tomatensalat und ein Glas Weißwein. Zumindest bei dem Wein könnte nichts schiefgehen, dachte ich. Bis der schmierige Typ, der die Bezeichnung Kellner nicht verdiente, das Glas vor mir abstellte. Es war unsauber, und auf dem Getränk, dass eher ein Gebräu war, schwamm Kork. Mein erster Impuls war mich zu beschweren. Als ich die glasigen Augen des „Kellners“ sah, unterließ ich es.

Endlich wurde das Omelette serviert. Ich rechnete kaum noch damit und wurde enttäuscht. Es gab weder den angekündigten Pecorino noch den Mozzarella. Den Tomatensalat hatten sie ersatzlos gestrichen. Stattdessen hatte jemand einen Löffel Mangochutney auf den Teller geschüttet. Ich sagte Holger, dass in diesem Bistro so einiges stank, und nicht nur das Essen, das vom süßlichen Duft des Hanfs aus der Küche überdeckt wurde.

Im Grunde ist es mir egal, wie chillig das Küchenpersonal drauf ist, aber dies Omelette war der Hohn. Holger zuckte die Schultern.

„Stell dich nicht so an“, sagte er und säbelte an einer Schuhsohle herum, die als Schnitzel deklariert wurde.

Es hatte keinen Zweck mit Holger zu streiten. Kulinarische Genüsse gehören nicht zu Holgers Lebensstil. Ich erwähnte das Essen nie wieder.

„Weißt du noch, Paris … “, sagt Holger.

Er starrt auf den Beitrag im Fernsehen. „Spezialitäten von der Seine.“

Ich halte mich nicht für einen Menschen unüberlegter Handlungen, aber das Fass ist voll, der Pool läuft über, der Schlauch platzt. Ich werde Holger ganz chillig verlassen. Den nächsten Zug nach Paris nehmen und mich mit Pierre treffen. Ich lernte ihn in dem hübschen Bistro kennen, direkt neben der Pension, in der wir damals wohnten. Dort wird eine sensationelle Bouillabaisse serviert. Vivere la France! I love Paris.    

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