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Posts Tagged ‘Schulter’

„Es fing ganz harmlos an.“

Er sah sie mit einem schiefen Grinsen an. Ihr Gesichtsausdruck blieb ausdruckslos.

„Fängt es so nicht immer an?“, ihre Stimme klang monoton.

„Außerdem ist nichts weiter passiert. Nur ein Kuss.“ Er zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Wirklich nur ein Kuss.“

Sie öffnete den Mund, schloss ihn aber gleich wieder. Jedes Wort wäre zu viel gewesen. Erst machte sie ihm Vorwürfe, dann redete er und redete, bis sie so müde war, dass sie aufgab wütend auf ihn zu sein. Bis zum nächsten Mal. Irgendwann musste das ein Ende haben, sie wusste nur noch nicht wann.

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„Geht es dir gut?“

Sacht tippte er ihr gegen die Schulter. Die Berührung löste ihre Starre. Mit hasserfülltem Blick sah sie ihn an.

„Geht es dir gut?“, wiederholte er.

Sie holte aus und schlug ihn mit einem harten Schlag auf die Nase. Blut spritze heraus.

„Aua!“, schrie er und presste seine Hände gegen das Riechorgan.

„Du hast sie gebrochen!“

„Sei froh, dass es nur die Nase ist. Viel lieber würde ich dein Herz brechen, so wie du meins gebrochen hast!“

Sie drehte sich um und ging.

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Nervös zupfe ich an meiner weißen Bluse herum. Durchatmen, alles wird gut, versuche ich mich zu beruhigen. Es ist das erste Mal, dass ich an einer Auktion teilnehme. Unter anderen Umständen könnte mir das Ganze Spaß machen, aber mit dem Druck im Nacken, habe ich einfach nur ein flaues Gefühl im Magen und versuche konzentriert zu sein. Ich setze mich in die letzte Reihe, damit ich alle Anwesenden sehen kann.
Unruhig drehe ich das kleine Schild mit der Nummer 112 hin und her. Unerwartet habe ich den Eindruck beobachtet zu werden. Ich hole den Schminkspiegel aus meiner Tasche und schaue vorsichtig über meine Schulter. Verflixt! Sie haben den schwarzen Lord geschickt. Wenn ich hier heil herauskomme, werde ich ewig leben.

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„Es sei denn, sie wollen darüber reden.“ Doktor Solf sah von seinem Notizblock auf und sah sein Gegenüber aufmerksam an. „So kommen wir keinen Schritt weiter. Seit 10 Sitzungen bleiben wir jedes Mal an dieser Stelle stecken. Ich frage mich, ob ich der richtige Therapeut für sie bin.“

„Das frage ich mich auch!“

Der Mann im eleganten Anzug strich sich ein imaginäres Stäubchen von der Schulter.

„Nun ja, ich habe ihnen schon erklärt, dass ich gerne die Namen meiner Patienten kenne.“

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Oder:

Ein kurzer Sommer oder viel Lärm um Nichts

In den letzten Monaten waren die Zeitungen voll von Berichten über die NSA – Affäre. Da ich an diesem Skandal nicht unbeteiligt war, hielt ich es für das Beste den vor mir liegenden Sommer nicht in heimatlichen Gefilden zu verbringen, um mich nicht auch noch in die Schusslinie zu begeben. Gute Jobs sind rar gesät und außerdem gefiel es mir, ein heimlicher Lauscher zu sein. Wissen ist Macht.

Bei meinem Besuch im Reisebüro zog ich zuerst eine Afrika – Safari in betracht, verwarf den Plan aber schnell wieder, da ich bei einer „Weltreise in Turnschuhen“, die mir der nette Berater ans Herz legte, 36% sparen konnte. Tatsächlich war mir zu dem Zeitpunkt nicht klar, auf welch skurrilen Trip mich dieses Angebot führen würde.

Zwei Tage später stieg ich mit Rucksack und kleinem Trolley im Schlepptau an dem winzigen Provinz-Bahnhof von Almhütte aus, das noch nicht einmal ein Wartehäuschen und einen Bahnsteig besaß. Zum Glück hielt der Zug, wenn auch nur kurz, so dass es mir erspart blieb, während der Fahrt abzuspringen. Einiges an der Situation erinnerte mich an das Sujet eines Westerns. Allerdings gab es keinen Salon mit Pferdetränke, sondern ein Gasthaus direkt gegenüber der kleinen Kirche, die sich mit einigen Häusern um einen großen Brunnen drapierten. Für Ruhesuchende sicher ein lohnendes Reiseziel, war es nicht das, was ich erwartet hatte. Ich trug zwar Turnschuhe, war aber von einer Weltreise war ich weit entfernt. Meilenweit. An den Fenstern des Gasthofes prangten riesige Blumenkästen mit Geranien in allen Farben. Dies sollte also für die nächsten Wochen meine Bleibe sein. Ich überlegte umzudrehen und den nächsten Zug zurück in die Zivilisation zu nehmen, aber meine Smartphone hatte keinen Empfang und ich beschloss, zumindest einen Blick in das Wirtshaus zu werfen. Ein gutes Essen und eine Maß Bier würden meine Lebensgeister wieder auf den rechten Pfad bringen.

Kaum hatte ich einen Fuß über die Schwelle gesetzt, als jegliches Gespräch zum Erliegen kam. Die Anwesenden wendeten sich mir mit unverhohlener Neugier zu und warteten. Ich vermutete, dass es sich bei den Gästen, um sämtliche Einwohner des Dorfes handelte, denn ich bemerkte bei einigen gewisse Familienähnlichkeiten. Ich fühlte mich wie ein Pekinese unter Schäferhunden. Ein falscher Laut und die Meute würde sich auf mich stürzen und zerreißen. Der dicke Wirt zog die buschigen Augenbrauen zusammen. Seine Frau, eine dralle Blondine, um einige Jahre jünger, als ihr Ehegespons, warf mir einen interessierten Blick zu. Ich wollte mich gerade zu einer Begrüßung herablassen, als sie um den Tresen eilte, auf mich zu kam und sich vor mir aufbaute.

„Grüß Gott, der Herr. Sie müssen Herr Brauer sein. Manfred Brauer. Wir erwarten sie schon.“

Ich lächelte und mein Blick wanderte von ihrer gefüllten Dirndlbluse hinauf zu ihren kornblumenblauen Augen. Eine gewisse Benommenheit bemächtigte sich meiner und ich dachte an ein weiches Bett mit Federkissen und einem Kruzifix über dem Kopfteil der Schlafstadt. Wie ging das noch: Auf der Alm da gibt`s keine Sünde. Bei den Katholiken lag die Vergebung direkt neben dem Sünder oder eben darüber, das kam auf die Perspektive an.

„Ja, der bin ich, grüß Gott“, sagte ich.

In meinem Ausweis stand zwar ein anderer Name, aber sollten sie glauben, ich wäre Manfred Brauer. Wenn sie mir die Tarnung schon auf dem Silbertablett servierten, wer war ich, dass ich sie ablehnte. Was für ein listiger Fuchs ich doch bin, dachte ich. Ich stand am Kreuzweg und verpasste die rechte Abzweigung, aber das wusste ich in diesem Moment noch nicht. Wenn einem Mann zwei entscheidende Tatsachen präsentiert werden, können wichtige Details schnell zur Nebensache werden. Der Auftritt war gut inszeniert, wie ich später feststellen sollte.

„Ich bin die Walli. Ich zeige ihnen ihr Zimmer.“

Ich wollte ihr folgen, als mich der Wirt zurückrief.

„Hallo sie, erst die Formalitäten, dann das Zimmer.“

In meinem Kopf formten sich die Worte „Frauenzimmer“, da mein Blick direkt auf die wohlgeformte Rückseite der Walli gerichtet war. Der Herr des Hauses reichte mir ein Gästebuch über den Tisch und ich füllte die entsprechenden Zeilen aus.

„Ganz schöne Kritzelei, der Herr Brauer.“

Ich zuckte mit den Schultern. Er warf mir noch einen scharfen Blick zu, dann nickte er und ich war entlassen. Walli brachte mich zu meinem Quartier. Auf den ersten Blick ein Bilderfriedhof, dem man nicht gerne einen zweiten gönnte. Ob der dicke Wirt der wahnsinnige Dekorateur war? Die Surrealisten konnten von dem wilden Kunstmix noch etwas lernen. Der Stoff aus dem Albträume gestrickt sind. Wallis geschickte bayrische Handarbeit entschädigte mich kurz darauf dafür, dass ich in diesem kruden Sammelsurium aus Reprints, Postern, Heimatmalerei und diverser Jagdtrophäen mein Haut zur Ruhe betten sollte. Auf meinen diversen Reisen traf ich viele Frauen, aber Walli legte sich besonders in Zeug. Eigentlich hätte mich das misstrauisch machen müssen, aber mein Gehirn operierte im Stand-by-Modus und ich war zu keiner objektiven Betrachtung der Situation fähig.

Als ich mein Bewusstsein wiedererlangte, saß ich gefesselt in einem feuchten Keller. Auge in Auge mit einer Ratte. Ich hätte gerne laut geschrien, fand dies aber aufgrund meines Status als nachrichtendienstlicher Ermittler unangebracht. Außerdem hätte mich der Knebel dran gehindert. In diesem Moment erinnerte ich mich an einen Ausspruch meines Onkels Specht, der viele Jahre als Seidenstrumpfverkäufer im Außendienst tätig und kein Kind von Traurigkeit gewesen war: „Ja, mein Jung, wie das auf solchen Reisen eben so ist.“

Der Text entstand in einer Schreibrunde. Anstoß waren Worte und Sätze aus der Zeitung „Die Zeit“. Jeder Schreiber generierte aus den Schlagzeilen 10 Titel für Geschichten, schrieb auf 10 Zettelchen jeweils ein interessantes Wort, die ihm beim Durchblättern ins Auge fielen und dazu jeweils noch drei Sätze auf separate Zettel. Nach dem wir unsere Zettelwirtschaft gemischt und neu verteilt hatten, wurden für jeden Schreiber drei Titel ausgewählt, aus denen er sich die Überschrift für seine Geschichte aussuchen konnte.

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