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Posts Tagged ‘Sekt’

Sie steht vor dem Brautmodengeschäft. Sieht sich das Traumkleid aus Tüll und Perlenstickerei an. Drinnen berät eine Verkäuferin im dunkeln Kostüm vier Frauen. Sie sind ausgelassen, trinken Sekt.

Bei ihrer ersten Hochzeit hatte sie nicht genug Geld. Sie war jung. Gerade Neunzehn.

Bei der zweiten Eheschließung fand sie es nicht mehr passend. Sie war keine jungfräuliche Braut. Fand es Quatsch, dass Paare in der letzten Nacht vor der Hochzeit getrennt schliefen, obwohl sie seit Jahren durch die Betten turnten.

Beim dritten Mal war es nur für sie. Ihre Kinder waren dabei und zwei Trauzeugen. Es war ein warmer Tag im August. Die Standesbeamtin hielt eine schöne Rede. Persönlich. Er sah sie an, hatte Tränen in den Augen. Für ihn war es der Wunsch nach einer eigenen Familie. Für sie, endlich anzukommen. Später am Abend saßen sie in dem kleinen Café. Eine Liveband spielte. Er hielt sie im Arm. Vertraut, sicher, liebevoll.

Sie steht vor dem Brautmodengeschäft. Erinnert sich, als wäre es gestern gewesen. Sie sieht sich das Traumkleid aus Tüll und Perlenstickerei an. Spiegelt sich darin. Lächelt. Dann geht sie nach Hause.

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Schweißgebadet schreckt sie hoch. Sie hat ein Geräusch gehört. – Vielleicht eine SMS? – Es ist Dunkel. Nur der Bildschirm ihres Computers spendet etwas Licht. Sie hat jedes Zeitgefühl verloren. Ihr Kopf tut weh. Es pocht, als schlüge jemand mit dem Hammer gegen die Schädeldecke. Sie hat einen schalen Geschmack im Mund und unterschwellige Übelkeit kriecht ihre Kehle hinauf. Neben dem PC stehen zwei leere Flaschen Rotwein. Sie hört sein leises Summen. Da wieder dieses unverkennbare Geräusch. – Oh mein Gott, er ist endlich im ICQ und ich hab es verschlafen. –

Wie von Furien gehetzt springt sie aus dem Bett, stolpert und stößt ihr Weinglas vom Tisch, das in tausend Stücke zerspringt. – So ein Scheiß. – Seit zwei Wochen hat er sich nicht gemeldet. Ihr Körper ist ausgezehrt von dieser zerstörenden Sehnsucht. Ihrer ganz persönlichen Obsession. Ein Mann, der sie nur mit Worten stimuliert, sie rasend vor Verlangen auf die Knie sinken lässt, bis sie darum bettele, dass er endlich kommt und sie fickt.  – Fast Tag und Nacht hab ich vor dieser blöden Kiste ausgehalten und ausgerechnet heute Nacht verschlafe ich ihn. –

Im ICQ-Fenster stehen nur ein paar Worte: „Hi, bist du da? Lust auf einen Quickie …“ und „Schade, schläfst wohl schon. Ok, dann mach ich es mir selber … stell mir vor, wie wir es zusammentreiben …“

In ihrem Kopf hört sie seine spöttische Stimme. Er weiß, dass sie nun Amok läuft. Sie will schreien! Aber ihre Kehle ist wie zugeschnürt. Sie schluchzt, immer stärker schüttelt es sie. Ihr Körper krampft sich zusammen. Sie geht zu Boden, zusammengekauert wie ein geprügelter Hund. Der Schmerz krallt sich an ihr Herz, den quetscht ihren Magen zusammen und rast durch ihren Kopf. Sie heult und lacht, versucht ihren hysterischen Körper zu kontrollieren. – Wenn er nicht bald herkommt und mich fickt, werde ich sterben. – Sterben an ihrer kranken Liebe, an der Achterbahn ihrer Gefühle, sterben am Alkohol, der sie noch aufrecht hält. Aber es ist ihr egal. Sie braucht ihn, wie die Luft zum Atmen, auch wenn es Momente gibt, in denen sie ihn umbringen möchte. Dann könnte ihn keine andere haben. Sie rappelt sich auf. Mit zitternden Fingern zündet sie sich eine Zigarette an und geht auf die Suche nach dem Stoff, aus dem die Träume sind. Sie finde noch eine Flasche Sekt. Trinkt aus der Flasche. Ihr ausgemergelter Körper ist nur noch eine Hülle ihrer fiebrigen Hirngespinste.

– Er ist meine Droge, der Stoff meiner ertränkten Träume. Aber er ist nicht hier, um mich zu ficken. Dabei ist das alles, was ich will. Endlich das tun, was wir die ganze Zeit am PC treiben. Sex haben, jeden Tag Sex. Ich will diesen verdammten Sex. Ich will, dass er mich solange fickt, bis ich tot umfalle. Sterben werde ich sowieso, also warum nicht bei einem guten Fick? Was für ein Tod! Danach nie mehr aufwachen. Nie mehr Spielchen, die mich in den Wahnsinn treiben und ohne die ich nicht mehr leben kann. Nie mehr vergeblich hoffen, dass er kommt, um es mit mir zu treiben. Nie mehr die leeren Versprechungen, dass er kommt, und dann im letzen Augenblick absagt. Nie mehr die Ungewissheit, ob er mich will oder nur sein Ding durchzieht. Los komm und fick mich bis mein Herz versagt, damit ich nie mehr aufwachen muss. – Der ICQ-Ton versetzt ihrem quälenden Gedankenkarussell einen durchdringend Impuls. Sie stürzt an den Schreibtisch. Stößt sich das Schienbein am Couchtisch. Sie fühlt es nicht. – Er ist da! –

„Hey, Prinzessin, wollte mich nur kurz melden. Bin die nächsten Wochen geschäftlich viel unterwegs … denk an dich“, liest sie. „Vielleicht sehen wir uns danach.“

Mit zitternden Fingern gibt sie eine Antwort ein. Drückt auf Senden. Sie sieht, dass er den Messenger schon verlassen hat. Sie stiert auf den Bildschirm. Immer wieder liest sie seine Nachricht, als könnte sie ihnen dadurch eine andere Bedeutung verleihen, oder ihn zur Rückkehr an den PC bewegen. – Er denkt an mich. Er meldet sich, wenn er kann. Wahrscheinlich sehen wir uns, wenn er zurück ist. – Irgendwann füllen sich ihre Augen mit Tränen. Sie setzt die Flasche an, trinkt. – Ich muss nur durchhalten, dann wird alles gut. Ganz bestimmt! –

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… besonders wenn drei fleißige Schreiberinnen eine Anthologie mit diesen Appetithäppchen herausbringen wollen und sich eine Deadline gesetzt haben. Die Ordner sind voller Dokumente. Fertige, angefangene, Notizen, Ideenzettel. Es mangelt keineswegs an aufregendem Stoff und auch für die leibliche Stärkung ist gesorgt. – NEIN! Nicht was ihr jetzt denkt – wir sitzen brav am Schreibtisch vor unseren Laptops und liegen nicht mit Hugh Jackman, Chris Hemsworth, Alexander Skarsgard oder diversen anderen Sahneschnitten auf der Couch. – Ich meine Kaffee, Schokolade in jeglicher Form, gekühlter Rose oder gerne auch ein Sekt, Salzstangen und Weingummi…

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und JA, diesmal meine ich die rote Couch, den Autorücksitz, die Folterkammer (was E.L.James kann, dass können wir schon lange, und glaubt mir Mädels (und Jungs) wir machen keine halben Sachen und langen ordentlich hin.),die Umkleidekabine und den Billardtisch. Ich habe mir sagen lassen, das taugt nur als Fantasie, da man sich auf dem Filzbelag die Knie wund scheuert. (Schreiben bildet also auch das Allgemeinwissen.)

Da sitzt du also, draußen ist alles Grau, das schmutzige Geschirr verunstaltet deine Küche, die Wäsche möchte bitte endlich die Waschmaschine verlassen und aufgehängt werden. Die Katze jammert dich seit einer halben Stunde an, weil du verdammt noch mal jetzt aufstehen und sie füttern sollst. Ach und waren da nicht noch Kinder, die gerade irgendwas von Feuer legen und überschwemmen gesagt haben??? Egal. Die Zeit läuft. Die Storys sollen fertig werden, wenn`s geht, pronto! Schließlich haben wir nicht ewig Zeit und das Schreiben ist erst der Anfang. Korrigieren, überarbeiten, Titel, Cover, Pseudonym (?) Umfang des Buches usw. muss besprochen werden.

Alles Dinge, die die erotische Stimmung nicht unbedingt heben. Besonders wenn man seine Geschichte das 10te Mal gelesen und bearbeitet hat, und der geile Sex inzwischen zu einer lahmen Ente geworden zu sein scheint, weil du jedes Wort, jede Stimmung, jeden Handgriff zum x-ten Mal gelesen und es dir vorgestellt hast. Da wird auch der schärfste Kerl aus deiner Fantasie zu einem Schoßhündchen (da dürft ihr reinlesen, was ihr wollt 😉 ).

Da hilft nur eins: schmeiß dich in erotische Unterwäsche. Auch wenn du eine Schlabberhose drüber ziehst, wichtig ist: du weißt, wie sexy du drunter bist. Wer weiß, wozu es später gut ist, wenn der Herr des Hauses auf der Bildfläche erscheint? Dufte nach deinem Lieblingsparfüm, höre Musik, die zum Thema passt, tanz dazu, wenn du gerade nicht weißt, wie es weiter geht. Tanzen versetzt nicht nur den Körper in Schwingungen. Trink Cappuccino (oder was du magst) und lass dir genüsslich etwas Schokolade auf der Zunge zergehen. Ein Glas Sekt zur Anregung kann dich lockermachen, aber Vorsicht(!) zu viel Alkohol blockiert, weil man dann nicht mehr besonders gut denken kann. Und Recherche. Es gibt sehr ansprechende Seiten im Netz, Dokus und Bücher (z. B.: Sexratgeber – Kamasutra *g*), die die Fantasie ankurbeln.

So vorbereitet sollte Frau es schaffen, sich dem Text und der Inspiration hinzugeben. Ich könnte hier noch ein paar eindeutige Zweideutigkeiten einfließen lassen und ich gebe zu, es kitzelt in meinen Fingerspitzen. Aber ich begnüge mich einfach damit: Let it flow and have fun. Harte Arbeit und Spaß müssen sich nicht ausschließen. Da bekommt das Sprichwort „Arbeit macht das Leben süß“ (von G.W.Burmann, 1777) doch direkt eine ganz neue Bedeutung.

Also meine Damen, erhebt die Gläser! Sagen wir es mit Hoffmann von Fallersleben:

 

Es leben die Poeten!
Die erhabenen begrabenen
Und die sterbenden lebenden,

sinnig waltenden,
innig entfaltenden,
minnig gestaltenden,

klangentzückten entzückenden,
sangbeglückten beglückenden,

bei Erlebnissen,
bei Begebnissen,
bei Begräbnissen,
bei Hoch-
und bei noch
andern Zeiten
und Gelegenheiten —

Es leben alle Poeten auf Erden,
Die’s heute schon sind oder morgen noch werden!

Have a good time to write. Cheers!!!

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