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Posts Tagged ‘Sonnenuntergang’

„Es handelt sich um eine wahre Geschichte, die zufälligerweise nicht passiert ist.“

Jeanne schlug die Arme übereinander und blickte Mellie mit düsterem Blick an.

„Ich bitte dich! Du willst mich wohl auf den Arm nehmen?“

Mellie gab Jeanne das Gedicht zurück. Es kostete Jeanne unglaubliche Mühe nicht wie ein trotziges Kind mit dem Fuß aufzustampfen und in Tränen auszubrechen. Nicht nur, dass sie in diesem furchtbaren Internat festsaß, nein, sie hatte dermaßen fantasielose Mitinsassen, dass ihr graute.

„Du verstehst überhaupt nichts!“, erwiderte Jeanne lauter als beabsichtigt, „das Leben schreibt die Kunst und die Kunst das Leben. Wäre in deinem Kopf etwas weniger Vernunft und etwas mehr Fantasie, hättest du mir diese Frage nie gestellt!“

Mellie erhob sich und trat zum Fenster. Die beiden ungleichen Mädchen schwiegen. Die eine wütend, weil sie sich missverstanden fühlte, die andere weil sie nach dem Körnchen Wahrheit in der Behauptung ihrer Zimmergenossin suchte.

„Beweise es.“

Mellies ruhige Stimme durchbrach die Stille. Jeanne sah auf. Mellie blickte immer noch aus dem Fenster. Die untergehende Sonne färbte den Himmel in alle Schattierungen der Rotpalette. Jeanne hatte an diesem Abend keinen Blick für die Schönheit der Natur.

„Was beweisen?“, fragte sie verwirrt.

„Das die Kunst das Leben schreibt.“

Mellie drehte sich um und sah Jeanne mit merkwürdig fiebrigem Blick an. – Das passt gar nicht zu ihr, dachte Jeanne, als wäre sie in einer Art Trance. –

„Und wie stellst du dir das vor?“, fragte sie wachsam.

„So wie es Wissenschaftler machen: in einem Feldversuch. Ich stelle die Versuchsanordnung auf und du schreibst die Veränderungen, die geschehen sollen. Immer nur in Teilstücken natürlich und ich habe das letzte Wort darüber. Ich werde sie lesen, dann werden wir sie auf einem Altar opfern und sehen was passiert.“

Jeanne sah Mellie mit mitleidigem Blick an.

„Bist du verrückt? Brauchst du Hilfe?“

Jeanne hätte sich nicht gewundert. Lange konnte es ein hungriger Geist in dieser freud – und lieblosen Umgebung nicht aushalten, ohne psychische Anomalitäten zu entwickeln. Mellie lachte laut auf und warf den Kopf mit dem dunklen Locken in den Nacken.

„Ich war selten so klar“, sie kam auf Jeanne zu und blickte sie herausfordernd an, „also, machst du es?!“
Jeanne nickte ergeben.

„Na gut. Wann geht`s los?“

„Morgen früh.“

Mellie wandte sich ab, setzte sich an ihren Schreibtisch und zog einen Stapel Papier aus einer Schublade. Einen Moment zögerte sie, dann brachte sie die ersten Zeilen zu Papier. Jeanne beobachte sie mit wachsender Spannung. Ihre Behauptung über die Kunst schien einen verschlossenen Bereich in Mellies Persönlichkeit freigesetzt zu haben. Ein unbestimmtes flaues Gefühl breitete sich in Jeannes Körper aus. – Warum musste ich so anmaßend sein, ihr mein vermeintliches Talent zu beweisen, dachte sie und knetete nervös ihre Finger, naja, was kann sie sich schon Besonderes wünschen? –

Der Satz stammt aus dem Buch: Das verflixte Dolce Vita, von Rosalind Erskine.

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A Altweibersommer
U unterhaltsam
G goldene Gerste
U Unstern
S Sonnenuntergang
T Traubenlese

Im Altweibersommer weben die Spinnen Netze, die der Morgentau mit winzigen Wasserperlen schmückt.

Er war ein unterhaltsamer Redner, aber ich konnte mich nicht auf seinen Vortrag konzentrieren.

Der Bauer rollte mit den Mähdreschern über den Acker und schnitt die goldene Gerste.

Der Sonnenuntergang über dem nördlichen Meer bot ein opulentes Farbspektakel in allen Schattierungen von Rot.

Die Traubenlese begann am frühen Morgen, während der Nebel aus der Flussniederung den Berghang hinauf schwebte, wie ein Schleier aus Chiffon, den die Brise davon trägt.

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Schreiben nach Bildimpulsen. Hier: Gustav Klimt, Leben und Tod
Der schwarze Tod trägt einen rubinroten Stab. Er sieht wie ein mörderisches Werkzeug aus. Der Knochenmann lacht hämisch, als warte er nur darauf zu zuschlagen. Er ist allein. Abgeschnitten von den Lebenden. Sie alle, ob alt oder jung, haben sich fest in einander verwoben, so als wollten sie den Tod aus ihrem Leben ausschließen.

Trotz der Enge macht es nicht den Eindruck, es wäre den Lebenden unangenehm, so eng verbunden zu sein. Sie schlafen, sehen zufrieden aus. Mann und Frau, Mutter und Baby. Dazwischen ein älterer Mensch, geborgen in dem Leben, das um ihn herum fließt. In allen Möglichen Formen und Farben.

Weiß, wie der Schnee. Grün, wie die ersten Blättchen knospender Bäume. Sonnengelb, wie ein Sommertag am Meer und orange-rot-golden, wie das Herbstlaub oder dein Sonnenuntergang.

Der Tod steht da und wartet. Er ist sicher, die Stunde kommt, in der er seine Sense anlegen und seinen Lohn einfordern wird. Doch so schnell geben die Lebenden keinen der ihren auf. Ineinander geschmiegt trotzen sie den Fallen, die der Tod den Lebenden stellt.

„Carpe Diem“. Nutze den Tag. Jeden Augenblick genieße. Das Positive sehen. Jeden Tag eine gute Tat. Den Menschen, die einem nahe stehen, zeigen dass man sie liebt und dann, wenn der Tag kommt, Frieden mit sich selbst haben.
Das Beste aus seinem Leben machen. Aus schwarzen Kreuzen Blumen sprießen, aus Tränen Lachen werden lassen. Im Verlust die Freude verspüren, dass man einen wundervollen Menschen Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Geliebte, Geliebter, Kind, Freund nennen durfte.

Der Aufbruch steht bevor. Zu neuen Ufern und Horizonten. Den Tod den Schrecken verlieren lassen. Mensch sein, leben und sterben, in Würde und Frieden.

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