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Posts Tagged ‘Spatzen’

Dach, Eischnee, Gabel, weinen

Ich ziehe die Vorhänge zurück und traue meinen Augen kaum. In der Nacht hat es geschneit! Unser Garten liegt unter einer silberweißen glitzernden Schneedecke begraben. Das Dach des Gartenhäuschens sieht aus, als hätte ihm ein Konditor eine Haube aus Eischnee aufgesetzt.

Die Spatzen und Meisen besetzen das Futterhäuschen vor meinem Fenster. Lautstark und mit wedelnden Flügeln streiten sie um jedes Korn.

Die Freude über diesen herrlichen Morgen treibt mir Tränen in die Augen. Mein Wunsch erfüllt sich. Noch einmal den Zauber einer Winterlandschaft erleben.

„Hast du Lust auf einen Spaziergang nach dem Frühstück?“, hörte ich Leons sanfte Stimme hinter mir.

Er legt die Arme von hinten um mich und blickt über meine Schulter hinaus. Ich genieße den Moment der Geborgenheit und seiner Wärme.

„Ja, sehr gerne“, sage ich leise.

„Dann zieh dich an, der Tisch ist gedeckt“, er küsst mich auf die Schläfe und macht sich auf den Weg in die Küche.

Zum Glück sieht er die Tränen nicht, die sich aus meinen Lidern stehlen. Ich muss es ihm sagen. Endlich! Es wird Zeit Leon meinen Abschied anzukündigen. Er soll ihn nicht völlig unvorbereitet treffen.

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Das Dilemma meines Lebens. Besonders, da sich diese beiden Dinge in geradezu teuflischer Kombination perfekt ergänzen.

Gerade bin ich wieder an diesem Punkt des Teufelskreises, der das Karussell auf unheimliche Weise in Gang setzt. Man sieht es nicht kommen, wenn man nicht darauf achtet. Plötzlich ist es da und schwingt sich zu immer größeren Kreisen auf.

Es beginnt mit einer stillen Frustration, oder einer müden Lustlosigkeit. Der Kopf ist voller Gedanken an die Dinge, die man tun möchte, die Ideen häufen sich von Hügeln zu Bergen und je höher sie werden, desto kleiner und antriebsloser wird man selbst.

Ich sitze da, starre auf meine PC oder mein Blatt. Ideenfluten mein Hirn, aber statt einfach anzufangen, bleibt kein Gedanke greifbar. Wie durch eine Windböe am Meer, die Wolken vertreibt, sind sie fort, ehe ich eines Wortes habhaft werden konnte.

Ich möchte schreiben, aber was wenn die Idee schlecht, schon geschrieben, zu schwierig, zu langwierig oder sonst wie unerreichbar ist? Und außerdem bin ich doch sowieso nicht gut genug? 600 Seiten auf Papier, und was wenn sie niemand haben will? Du musst es aber erst mal versuchen, bevor du wissen kannst, ob es einer will oder nicht!

Wozu die Arbeit? Die Verlagsuche, die Absagen…alles ist so ermüdend.

Die Spatzen hüfen draußen herum und suchen sich einen Partner zum Nestbau. Interessant den Vögeln zu zusehen. Grünfinken, Meisen, Spatzen, Rotkelchen. Katze Finchen schaut ihnen auch zu, aber unter anderen Gesichtspunkten. Sie würde die laute, aufdringliche Bagage lieber fangen und fressen.

„Ich bin müde, kann mich kaum auf den Beinen halten. Habe Ideen die ich aufschreiben will, aber ich traue mich nicht!“ –  „Was soll das denn heißen? Du hast einen erotischen Roman veröffentlicht, du kannst das und bist gut darin. Warum traust du dich nicht? Du darfst alles schreiben, alles. Du musst es ja niemandem zeigen, wenn du nicht willst, immerhin ist es dein Geschreibsel.“ – „Mir kommt alles so hohl und nichtssagend vor.“

Ich kann nichts dafür. Der Gedanke hat sich in mein Hirn gebohrt, wie ein Wurm, der erst nur ein Würmchen, sich von meinen Zweifeln nährt und langsam immer dicker und fetter wird, und immer mehr Platz in meinen Gedanken einnimmt. Der droht mich zu ersticken und irgendwann aufzufressen.

Die Erschöpfung ist überdeutlich spürbar. In meinem Kopf ist ein schwarzes Loch, das alle Ideen und Worte schluckt, sprengt und als Puzzle wieder ausspuckt. Mein Mann würde sagen, das ist nur eine Schaffenspause, aber ich fühle mich so ausgezehrt, dass ich am liebsten nur noch schlafen und meinen Tagträumen nach hängen möchte.

Davon abgesehen, dass ich mich zur Kompensierung dieses Zustandes, mit Essen aller Art tröste und mich selbst wie eine Raupe fühle. Vielleicht kommt ja irgendwann ein riesiger Vogel vorbei und pickt mich auf.

Die Spatzen, oder sollte ich Sperlinge sagen, sammeln kleine Ästchen und Kleinkram für ihre Nester. Und ich hole mir jetzt einen ordentlichen Kaffee und einen Keks.

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