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Posts Tagged ‘Stachel’

You save me

Sie stand im Regen. Die Tropfen, die ihr über das Gesicht liefen, vermischten sich mit ihren Tränen. War das Leben nur ein einziger Scherz? Ausgetragen zwischen Göttern und Dämonen. Der warme Lichtstrahl, der aus dem Haus zu ihr hinaus drang, erhellte ihr Gesicht, ohne ihr Herz zu berühren. Sie würde gehen, weit fort. Er hatte sie gerettet, ihr kümmerliches Leben aus den Fluten zurück gebracht, in die sie sich lebensmüde gestürzt hatte. Mehr konnte er nicht tun.

Sie sah ihn mit der hübschen blonden Frau und dem kleinen Mädchen, das sich in seine Arme schmiegte. Sie hätte an ihrer Stelle sein sollen. Sie liebte ihn so sehr, dass alles wehtat, sich ihr Inneres unter Qualen zusammenzog. Aber dieses Leben war nicht für sie bestimmt. Sie fragte sich, wer sie gerettet hatte? Ein Gott, der ihr Leben für wertvoll hielt, oder ein Dämon, der ihr das Messer unglücklicher Liebe ins Herz rammte, um zu sehen, wie viel ein Mensch erdulden konnte?

Sie wandte sich ab, ging den schmalen Gartenweg entlang und trat auf die Straße. Die Trauer schnürte ihr die Kehle zu. Aber es gab keinen anderen Weg, um das bisschen Leben zu leben, das noch in ihr atmete. Einfach nur fort von hier. Weit, weit fort. Die Tränen würden versiegen. Irgendwann. Aber der Stachel steckte fest. Als Mahnmal zementiert im Stein ihres Herzens.

Schmerzen waren ihr vertraut, seit sie denken konnte. Sie hatte das Gefühl, der Schmerz selbst zu sein. Vielleicht war es ihr Schicksal. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis, während sie mühsam einen Fuß vor den anderen setzte und langsam zu einem Schemen in der Dunkelheit verschwamm, bis nichts mehr von ihr übrig war.

Dieser Text ist nach einem Musikstück entstanden, dass ich sehr mag. Jonathan Jeremiah, You save me. Trotzdem der Titel eher positiv ist, hat das Gefühl der Melodie und seiner Stimme etwas sehr Trauriges für mich. Ein kleines Beispiel für die Schreibaufgabe für den Oktober, in dem wir jeden Tag mit/über ein Lied schreiben, das wir mögen oder auch nicht mögen 😉 .

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Der Prinz war recht glücklich mit seiner rechten Braut. Sie war bildschön und anschmiegsam, außerdem recht brav.

Und doch war da ein Stachel in seinem Herzen. Die falsche Braut hatte ihm, wenn er ehrlich war, besser gefallen. Dunkles langes Haar, glutvolle Augen und ein Mund, der sich zu küssen lohnte. Ein echtes Rasseweib. Jeden Abend, wenn seine Frau sich zur Ruhe gebettet hatte, stand er auf und sah aus dem Fenster.

Mehr als ein Mal kam ihm der verwegene Gedanke, er könnte die falsche Braut zurückholen und gegen die Echte tauschen, die alles andere als leidenschaftlich war. Aber es gab kein Zurück. Sein Vater hatte die falsche Braut in ein Nagelfass gesperrt und einen Abhang hinunter gestürzt.

Der Prinz seufzte. Seine Braut hatte sich als Gänseliesel im Grunde genommen viel besser gemacht und außerdem hatte sie den Peter im Griff gehabt, den frechen Lümmel. Jetzt faulenzte er wieder den ganzen Tag und spielte den Dienern Streiche.

„Ach, wenn ich nur nicht so vorschnell gehandelt hätte“, murmelte er, „aber jetzt muss ich es so nehmen wie es ist.“

„Wieso?“, fragte eine kecke Stimme hinter ihm.

Der Prinz fuhr herum und sah ein merkwürdig gekleidetes Männlein mit krummen Beinen und einem Buckel.

„Wer bist du?“

„Ich bin Rumpelstilzchen und mache gerne Geschäfte mit verzweifelten Hoheiten“, kicherte das Männlein, das sich insgeheim die Hände rieb. Diesen Dienst würde es sich etwas kosten lassen.

„Je schwieriger der Wunsch, um so teurer“, sagte es daher, als der Prinz fragte, was es denn für den Gefallen verlangen würde, die Bräute zurückzutauschen.

„Ich möchte 1000 Gulden und den Peter“, verlangte es.

„Wozu das?“, fragte der Prinz erstaunt, „1000 Gulden kannst du haben. Aber was willst du denn mit Peter?“

„Weil die falsche Braut beim Teufel Dienst tut und der gibt sie nicht so einfach her. Der will einen Ersatz“, sagte Rumpelstilzchen.

„Aber da nimm doch lieber gleich meine Braut mir“, schlug der Prinz vor und dachte, dass er sehr schlau sei.

„Nein“, widersprach das Rumpelstilzchen energisch, „der Teufel mag keine netten Prinzessinnen. Der will was Freches, das er zähmen kann.“

„Na gut“, lenkte der Prinz ein, „hier hast du das Geld. Wo der Peter schläft weißt du sicher.“

So war der Handel perfekt und der Prinz musste sich überlegen, wie er die echte Braut ohne Aufsehen los wurde. Dafür gab es ja genug böse Feen. 100 Jahre Schönheitsschlaf ließen sich bestimmt irgendwie arrangieren…es kam nur auf den richtigen Preis an.

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