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Posts Tagged ‘Stufen’

„Was für eine Idylle“, sagte mein Taxifahrer begeistert und hievte mein Gepäck aus dem Kofferraum.

„Sieht ganz so aus“, stimmte ich nachdenklich zu und dachte, es ist einfach zu ruhig, da kann was nicht stimmen.

Ich drückte ihm einen Zehner in die Hand.

„Stimmt so.“

„Danke, bis zum nächsten Mal“, er grinste und schwang sich wieder hinters Steuer.

In dem Kaff gab es vermutlich nur den einen Taxifahrer. Na dann los, redete ich mir gut zu, du wolltest die Veränderung, jetzt hast du sie. Ich stieg die Stufen hinauf und drückte auf den Klingelknopf.

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Der kleine Antiquitätenladen

Seit Tagen schlich ich um den kleinen blauen Antiquitätenladen herum. Immer gab es Neues in der Auslage zu entdecken. Ein kleiner Metallkasten auf vier geschwungenen Füßchen, reich verziert mit Blüten und Früchten, hatte es mir besonders angetan. Der Griff in der Mitte des Deckels hatte die Form einer Rosenblüte. Leider war der Preis des Kästchens sehr hoch und so stand ich jeden Tag vor dem Schaufenster und ergötzte mich an ihrem Anblick.

„Kommen sie doch herein“, hörte ich eine freundliche Stimme hinter mir, „ich habe sie schon einige Male vor meinem Fenster gesehen. Sie dürfen sich gerne umsehen.“

Ich sah mich um und blickte in das lächelnde Gesicht des Besitzers. Er trug einen Anzug, der zwar altmodisch, aber elegant war. Sein mit Silberfäden durchzogenes dunkles Haar war exakt geschnitten und rahmte ein markant zeitloses Gesicht ein. Ich lächelte verlegen zurück.

„Das ist sehr nett, aber leider kann ich mir ihre Kostbarkeiten nicht leisten.“

Er schmunzelte.

„Nun, vielleicht mache ich ihnen einen guten Preis, gegen eine kleine Gefälligkeit.“

Ich zog skeptisch die Augenbraue hoch und trat einen Schritt zurück.

„Nein“, er lachte, „nicht das, woran sie jetzt vielleicht denken.“

Er schloss die Tür zu seinem Laden auf. Das melodische Läuten einer Glocke ertönte. Er machte eine großzügige Geste.

„Ich lade sie zu einem Kaffee ein und erzähle ihnen, worum es sich handelt. Sollte ihnen mein Angebot nicht zusagen, sind sie frei abzulehnen.“

Ich warf einen sehnsüchtigen Blick auf das Kästchen. Es glänzte verführerisch in der Morgensonne. Der Mann sieht nicht wie ein Gewaltverbrecher aus, überlegte ich, es wird bestimmt nichts Schlimmes geschehen. Ich gab mir einen Ruck, ging an ihm vorbei, drei Treppenstufen hinauf, und betrat den Antiquitätenladen. Hinter mir fiel die Tür leise ins Schloss. Das Glöckchen bimmelte melodisch.

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Neben Hesse und Rilke ist Christian Morgenstern einer meiner bevorzugten Dichter. Hier ein Auszug aus den „Stufen“ – eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen. Der Rat über Schriftsteller und das Schreiben stammt aus dem Jahr 1907:

„Wenn du Schriftsteller bist, so schreibe jeden Tag etwas nieder, und wenn du auch nur den zehnten Teil davon aufbewahrst. Kommt dann deine produktive Periode, so wirst du, was du zu sagen hast, mit doppelter Leichtigkeit und Anmut sagen, du wirst dann wie ein Klavierspieler sein, der eines Tages zu phantasieren beginnt und merkt, dass es auf den Tasten fortan kein Hindernis mehr für ihn gibt.“

Vieles von dem, was unsere Dichter-Ahnen wussten, hat nichts an Aktualität eingebüßt. Wir sollten ihre Weisheit nicht unterschätzen. 🙂

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Lucas ist gegangen. Und ich bin der Grund dafür. Ich habe meinen Mund nicht aufgemacht und gesagt: ich liebe dich. Vielleicht wäre er geblieben? Ich starre auf die Tür, aber sie bleibt geschlossen. Draußen ist alles still. Lucas ist längst gegangen. In meinem Kopf ist Leere. Ein dicker undurchlässiger Wattebausch, der die zersplitterten Gefühle in meinem Innern nicht bis ins Gehirn dringen lässt, um mir unnötigen Schmerz zu ersparen. Ich mache mir keine Hoffnung Lucas wiederzusehen. Dazu habe ich ihn zu oft zurückgewiesen. Welcher Mann hält das aus? Ich erinnere mich an Anna aus „Persuasion“, „selbst wenn keine Hoffnung mehr besteht, lieben Frauen noch ewig.“ Ich will nicht ewig lieben, denn ich weiß, dass mein Leben bald zu Ende geht.

200 Stufen hat der Kirchturm. Ich habe Angst. Sinnlose blöde Angst. Was machen die paar Tage oder Wochen aus? Ohne Lucas ist jede Stunde überflüssig. Der Wind kühlt mir mein erhitztes Gesicht und trocknet die Tränen, die unaufhörlich über meine Wangen laufen. Warum auch nicht? Darf ich nicht um eine große Liebe weinen? Ich schließe die Augen. Sehe Lucas vor mir. Spüre noch einmal den Kuss, den er mir gab. Warum kann mein Herz nicht einfach aufhören zu schlagen? Mein Atem nicht einfach stillstehen? Meine Sehnsucht ist so groß, der Schmerz so allumfassend, dass er langsam durch meinen Schutzpanzer bricht und mein Gehirn überflutet. Jetzt ist ein guter Moment zu springen.

Ich streife die Schuhe ab und will auf den Fenstersims klettern, aber zwei feste Hände halten mich und eine nur allzu vertraute Stimme sagt:

„Warum?“

„Weil ich dich unendlich liebe. – Lass mich gehen.“

„Ich verstehe es nicht.“

Ich versuche Lucas von mir weg zu schieben, aber er ist viel stärker als ich und zieht mich nur noch näher an sich.

„Ich bin krank, Lucas.“

„Und?“

„Ich werde sterben und ich kann nicht zulassen, dass du dich mit einer kranken Frau herumschlägst. Du wirst mich irgendwann hassen.“

„Die Entscheidung solltest du besser mir überlassen.“

Schluchzend lehne ich meinen Kopf an seine Schulter. Ich zittere am ganzen Körper. Seine Wärme und seine Kraft lassen mich schrumpfen. Ich bin plötzlich so klein, dass ich in eine Jackentasche passen könnte. Lucas legt seine Hand unter mein Kinn und hebt mein Gesicht zu seinem empor.

„Ich liebe dich. Mehr als ich jemals dachte, eine Frau lieben zu können. Mir ist es egal, ob du krank oder gesund bist, ich will mit dir zusammen sein. Wer weiß, wie viel Zeit uns bleibt? Jede Minute ohne dich ist vertane Zeit. Endlich habe ich den Menschen gefunden, der für mich bestimmt ist. Bitte bleib bei mir.“

Dann küsst er mich und jede Angst, jeder Gedanke an ein Ende ist wie weggeblasen. Sein Mund wird fordernder und ich spüre ein heftiges Verlangen in mir aufsteigen.

„Ich will dich“, flüstert er nah an meinem Ohr.

„Ich dich auch.“

„Dann lass uns gehen und keine Zeit verlieren.“

Er lächelt dieses bezaubernde Lächeln und mein Herz macht einen Satz. Ich weiß jetzt, dass ich alles tun werde, um solange wie möglich bei ihm zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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