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Posts Tagged ‘Unfall’

Eigentlich hatte ich geplant, spätestens mit dreißig reich, seriös und gesetzestreu zu sein, doch die Umstände waren eindeutig gegen mich.

Jedes Mal, wenn ich dachte, jetzt wird es besser, kam etwas dazwischen. Meine kranke Mutter, eine verhängnisvolle Liebschaft, ein unverschuldeter Unfall, unglückliche Zufälle usw. Ich weiß kaum, wo ich anfangen und aufhören soll. Eine Zeitlang zog ich in Erwägung, dass ich in einem früheren Leben ein schlechtes Karma auf mich gezogen hätte. Inzwischen habe ich akzeptiert, nichts so sicher ist, wie die Veränderung. Es scheint mein Schicksal zu sein, dass die Veränderungen nicht zu meinen Gunsten ausschlagen.

Damit ihr meine Situation besser verstehen könnt, möchte ich euch folgende Geschichte aus meinem bewegten Leben erzählen:

Vor einer Woche, es war ungewöhnlich ruhig und friedlich, ich saß an meinem Schreibtisch und wollte gerade eine Kaffeepause einschieben, als das Telefon klingelte.

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„Mister de Clare, würden sie bitte ihren Butler rufen? Ich habe einige Fragen.“

Gil zieht an dem Klingelknopf hinter seinem Schreibtisch, dann tritt er an den Rauchtisch vor dem Barschrank und zündet sich einen Zigarillo an. Sergeant Collins steht neben der Tür und beobachtet seinen Vorgesetzten. Nathan räuspert sich, um Gils Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Trotzdem dauert es einen Moment, bevor er sich umdreht und ihn mit gereiztem Gesichtsausdruck anschaut.

„Stellen sie ihre Fragen“, knurrt er. „Ich nehme an sie verdächtigen mich?“

Nathan ignoriert Gils Frage. Seine ganze Haltung drückt Widerwillen gegen den Hausherrn aus.

„Können sie sich vorstellen, warum der Dieb nur das Collier mitgenommen hat?“

Gils Antwort ist ein Schulterzucken, während er ein Wölkchen aus weißem Rauch in die Luft bläst. Rosalie blickt von einem zum Anderen.

„Ich werde zu Misses Moore gehen und sie um einen Tee zu bitten“, wirft sie in die schweigende Runde und geht zur Tür.

„Ich begleite sie“, bietet Anthony ihr an, erleichtert der unangenehmen Situation zu entkommen.

„Bitte beeilen sie sich, ich habe auch noch Fragen an sie“, ruft Nathan ihm hinterher.

Rosalie schmunzelt. Der Inspektor stellt nachdrücklich klar, dass er bestimmt, wer wann wohin geht. Die Tür fällt ins Schloss.

„Nun, Mister de Clare, beantworten sie meine Frage oder möchten sie lieber aufs Revier kommen?“

Gil zuckt gleichgültig mit den Schultern.

„Ich habe keine Ahnung. Aber ich kann dankbar sein, dass der Dieb ein paar Preziosen übrig gelassen hat, dass ich versetzen und mit dem ich einen Teil der Schulden meines Großonkels abbezahlen kann.“

Der Sarkasmus seiner Antwort bringt ihm einen misstrauischen Blick des Inspektors ein. Er saugt den Rauch seine Zigarillo tief ein.

„Was sehen sie mich so an? Ich habe Lady Edna nicht von der Treppe gestoßen und ihre Juwelen an mich genommen.“

„Es gibt Mittel und Weg.“ Das Erscheinen von Mister Smith und Anthony unterbricht Nathans Ausführungen. „Gut, dass sie kommen, Mister Smith. Sergeant Collins teilte mir mit, dass sie dafür Sorge tragen, das Haus am Abend ordnungsgemäß abzuschließen.“

Mister Smith strafft die Schultern und wird noch  steifer, als er sowieso schon ist.

„Ja, Sir“, sagt er einsilbig.

„Ist ihnen gestern Abend etwas besonderes aufgefallen, ein defektes Schloss, ein offenes Fenster?“

„Nicht, das ich wüsste, Sir.“

Nathan hatte befürchtet, dass er nichts aus dem Butler herausbekommen würde. Hausdienern wurde die Loyalität gegenüber ihrer Herrschaft mit den silbernen Löffeln eingeprügelt, die sie so sorgfältig putzen mussten.

„Haben sie das Haus überprüft, nachdem Lady Edna gestürzt war?“

„Nein, Sir. Seine Lordschaft vermutete, wie wir alle, einen unglücklichen Unfall.“

Nathan wirft einen fragenden Blick in Gils Richtung. Er blickt immer noch aus dem Fenster, aber er spürt an der eintretenden Stille, dass er als Haushaltsvorstand gefragt ist.

„Warum sollten wir die Sicherheit des Hauses überprüfen – das Fehlen des Colliers wurde erst entdeckt, als der Leichenwagen eintraf. Zu dem Zeitpunkt waren etliche Türen und Fenster bewegt worden.“
Nathan gibt Sergeant Collins einen Wink.

„Collins, sie begleiten Mister Smith bei einem Rundgang durchs Haus. Überprüfen sie alle Türen und Fenster im Erdgeschoss. Achten sie besonders darauf, ob die Schlösser unversehrt sind, oder Beschädigungen aufweisen.“

„Ja, Sir“, Sergeant Collins, der Wichtigkeit seiner Aufgabe bewusst, schreit sofort zur Tat. „Mister Smith, darf ich bitten.“

Er hält dem Butler die Tür auf, der sich, nach einem Rückversicherungsblick zu seinen Brotherrn, zügig in Bewegung setzt.

„Danke Mister Collins“, Rosalie trägt ein Tablett mit Tee herein, „habe ich etwas verpasst?“
Interessiert blickt sie in die Männerrunde.

„Ich glaube nicht“, lächelt Anthony und nimmt ihr das schwere Tablett ab.

„Ich wollte Mister Douglas gerade fragen, was es mit dem geheimnisvollen Collier auf sich hat“, klärt Nathan Rosalie auf und seine Stimme trieft vor Sarkasmus, als er weiter spricht, „seine Lordschaft kann sich leider keinen plausiblen Grund denken, der den Dieb veranlasst haben könnte, nur das Collier zu stehlen“, er lässt einen Zuckerwürfel in seinen Tee gleiten.

Für einen Moment tritt eine angespannte Stille ein. Anthony wirft Rosalie einen fragenden Blick zu, die ihn offen erwidert.

„Wenn sie meine Theorie hören möchten, sollten sie sich zuerst das Collier anschauen.“

Nathan zieht erstaunt eine Augenbraue hoch. Er fängt einen skeptischen Blick von Rosalie auf.

„In der Ahnengalerie des Hauses hängen einige Gemälde, auf denen das Collier der de Clares auf den Dekolletés ihrer Ehefrauen abgebildet ist.“

„Dann sollten wir uns das Collier aus der Nähe ansehen.“ Nathan stellt seine Tasse auf das Tablett, „gehen sie voran, Mister Douglas?“

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Der Briefkasten ist grün. Ziemlich verbeult. An einigen Stellen ist die Farbe abgeplatzt, dort setzt sich Rost ab. Grün – Farbe der Hoffnung. Doch jeden Tag, wenn ich den kleinen silbernen Schlüssel in das Schloss stecke, enttäuscht er mich seit Tagen. Kein Brief von George. Er hat es versprochen und was er zusagt, hält er. George ist der zuverlässigste Mensch, den ich kenne. Das mag an seinem Namen liegen. George – ein alter Name mit Sicherheitsgarantie, Erde und Arbeit verschmolzen. Ein Landwirt lässt seine Heimat nicht im Stich.

Die Unruhe hat mich gepackt. Es muss etwas Schreckliches passiert sein. Ein Unfall oder ein anderes tragisches Schicksal hat ihn ereilt, weswegen George sich nicht meldet.

Ich höre den schweren Schritt meiner Nachbarin. Ihre schweren Holzclogs dröhnen durch den Hausflur. Klack, klack, klack. Ich eile die Stufen hinunter. Heute muss ein Brief von George dabei sein. Ich will vor ihr am Briefkasten sein. Sie soll nicht sehen, wie ich seinen Brief herausnehme und mich fragen: „Von wem haben sie denn Post bekommen?“, in dieser näselnd neugierigen Tonart.

Hastig öffne ich das grüne Maul. Es gibt nichts her, sein Bauch ist leer. Ich kämpfe die Tränen nieder.

„Na Kindchen wieder nichts?“, höre ich meine Nachbarin hinter mir.

Ich presse die Lippen zusammen, will nicht weinen. Ich schüttele den Kopf, wende mich ab und gehe zurück ins Haus. Wieder nichts. Die Enttäuschung zieht sich in mir zusammen, wie ein dickes schwarzes Knäul, dessen feine Fäden sich in jeden Winkel meines Körpers winden und mir die Freude heraussaugen. Es gibt nichts zu tun. Nur das Warten auf Morgen und die schwindende Hoffnung auf ein Lebenszeichen von George.

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