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Posts Tagged ‘Verantwortung’

Der Regen verwandelte den schmalen Pfad in einen Pfuhl aus Matsch und toten Blättern. Die Nässe hatte längst meine Haut erreicht. Ich hatte das Gefühl, sie kröche durch meine Poren und suche sich einen Weg in die Zellen meines Körpers. Jeder Schritt war eine Qual. Der Dreck klebte an meinen Stiefeln und die Kleidung war beschwert vom Wasser.

„Warum sind wir nochmal hier?“, hörte ich die Stimme von Anna hinter mir, „dass ich mich von dir zu solchen Himmelfahrtskommandos überreden lasse! Warum haben wir nicht gewartet bis der Regen aufhört. Ellie wird schon nichts passiert sein.“

Ich hätte antworten können. Die Worte lagen mir auf der Zunge. Andererseits wäre garantiert eine längere Diskussion daraus entstanden und dazu hatte ich in diesem Moment keine Lust.

Immerhin war dieses Undercoverding nicht meine Idee gewesen. Im Gegenteil! Ich hatte mich strikt dagegen ausgesprochen, Aber auf mich hatte niemand hören wollen. Wir mussten Ellie finden, bevor ihr etwas zustieß, falls es nicht schon zu spät war. Seit zehn Stunden war sie überfällig und ich hatte ein sehr ungutes Gefühl bei der Sache. Welche Rolle spielte da das bisschen Regen. Was man sich einbrockt muss man halt auslöffeln. Leider musste ich mitlöffeln, weil ich die Verantwortung für die beiden trug.

Abrupt hörte der Regen auf.

 

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Band, faul, Spiegel, Spitze

„Sei nicht so faul, Eliza! Gib mir das Spitzenband da. Das weiße mit den goldenen Röschen.“

Kitty stampfte mit dem Fuß auf und sah Eliza mit zusammengezogenen Augenbrauen und herunterhängenden Mundwinkeln an. Eliza hatte die Arme untergeschlagen und machte keine Anstalten sich zu bewegen.

„Ich muss auf dem Ball wunderschön sein! Austin muss sehen, dass er keine bessere haben kann!“, jammerte sie.

„Wie heißt das Zauberwort?“

Eliza verkniff sich ein Grinsen. Kitty war eitel, launisch, hager und verbissen, aber ihre Mitgift war so hoch, dass die Freier Schlange standen. Nur Austin nicht. Obwohl keine Aussicht bestand, dass er in nächster Zeit zu Vermögen kommen würde. Er hatte nur den Titel und seine Ehre.

„Bitte!“, Kitty versuchte ein Lächeln. Es verunglückte. „Siehst du nicht, dass ich hier nicht weg kann?“
Kitty stand auf einem Podest, die Arme in die Höhe gestreckt und wedelte mit den Händen in Elizas Richtung. Eine Schneiderin steckte ihr gerade die Seiten über der Taille ab.

„Bitte Miss Kitty, stehen sie still. Ich übernehme keine Verantwortung dafür, wenn sie von einer Nadel gestochen werden“, tadelte die Schneiderin Kitty.

Kitty presste die Lippen zusammen und versuchte still zu halten. Mit den Augen gab sie Eliza ein Zeichen. Aufreizend langsam setzte sie sich in Bewegung und brachte Kitty das geforderte Band. Der Ball wird spannend, dacht sie, Kitty beißt sich an Austin die Zähne aus.

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Frei sein. Große Freiheit. Egal ob klein oder groß? Lieber groß, wenn ich mich schon entscheiden muss. Muss ich das? Will mich nicht entscheiden, sondern einfach frei sein. Nicht vom Leben leben lassen, selber Leben bestimmen, das ist die Devise. Vielleicht ist die Freiheit zu groß für mich. Sie nimmt mir den Atem, macht mir Angst, weil ich keine Sicherheit habe und einfach den Sprung in den Abgrund wagen muss, es keine Garantie dafür gibt, dass ich heil unten ankomme. Alles Neue macht mir Angst. Ich zweifele und denke, warum? Wie konntest du auf die Idee kommen, dass dies oder das klappen soll? Manchmal möchte ich einfach aufhören zu atmen. Mich nicht mehr rühren, nicht mehr mitspielen, mich einfach in Luft auflösen.

Mein Bild von mir und das der anderen passt nicht zusammen. Niemand kann mich kennen, denn ich verstecke mich hinter einem Lächeln, guter Laune und Zuversicht. Ich spiele ein sicheres, begeistertes Leben und wünsche mir eigentlich (dieses blöde Wort), dass mir jemand die Last der Verantwortung von den Schultern nimmt.

Ich bin neidisch und ich hasse diesen Wesenszug. Ich will nicht missgünstig sein, will anderen das gönnen was sie haben und zufrieden mit meinem Leben sein. Besonders da ich nicht einmal weiß, ob ich das will was andere haben. Ich möchte reisen und trau mich nicht. Es gibt Tage an denen wäre ich gerne allein. Niemand, der mich fragt. Niemand, der etwas von mir fordert und doch, scheine ich, ohne dieses Gebrauchtwerden nicht leben zu können.

Ich bin ein Kontrollmensch, habe immer Angst nichts geht mehr, wenn ich loslasse. Denke, dass es nur in einer Katastrophe enden kann, wenn ich die Verantwortung abgebe, dass ich alles geben muss, hundert Prozent. Ich möchte die Stille genießen und denke nur darüber nach, was ich als nächstes Sinnvolles tue.

Getrieben und oft erschöpft muss ich die Waffen strecken und fühle mich selten im Einklang mit mir. Was ist, wenn ich morgen sterben muss? Sind alle sicher, versorgt? Habe ich alles getan, damit sie es gut haben. Was bleibt von mir? Ein Bild, ein Stück Geschichte auf Papier? Ein paar Gedanken an die Frau, die ich gewesen bin?

Meine Wirklichkeit existiert auf dem Papier, weil ich befürchte, dass meine Realität zu schwer für andere zu ertragen ist. Meine Schattenseiten erhelle ich, damit sie nicht zu sehr auffallen und meine Ängste und Sorgen packe ich in Watte, damit sich keiner daran stößt, geschweige denn sie bemerkt.

Ich hasse es rücksichtslos zu sein, denn ich wurde so oft rücksichtslos behandelt, dass es für zwei Leben reicht. Ich möchte andere nicht entmutigen, denn ich wurde so oft entmutigt, dass von meinem Selbst kaum etwas übrig war. Ich möchte anderen nicht wehtun, denn mir wurden so oft Wunden geschlagen, dass meine Seele die Narben nicht mehr zählen kann.

Immer stelle ich mir die Frage: Wer bin ich? Was macht mich aus? Die Antworten bleiben im Nebel stecken. Wer weiß, vielleicht kann ich mich selbst nicht ertragen, wenn ich die Antworten wüsste. Denn wenn doch ab und an ein Fetzen meines Ich aus dem Unterbewusstsein hochkommt, dann schäme ich mich für meinen Egoismus.

Wünsche werden nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen und abgewogen auf der Waage meines Selbst. Darf ich Wünsche haben und wenn ja, sind es die richtigen?  Werde ich jemals ich sein können? Kann ich ertragen, wer ich bin? Ich fürchte, dass ich ein Kind in mir verstecke, das nicht herauskommen kann, weil ich es einsperre. Ein Kind, das die Schönheiten und Wunder dieser Welt niemals sehen wird.

Die Zeiten laufen dahin, mein Leben schwindet und ich habe das Gefühl noch hundert Jahre zu brauchen, bevor ich fertig bin und auch diese hundert Jahre sind zu wenig. Was habe ich gesehen? Was verwirklicht? Wer kann das verstehen, wer will sich meiner Finsternis stellen, wenn ich es nicht kann?

Ich trage diese Lasten mit mir. Meine unerfüllten Sehnsüchte, meine Wünsche und Ideen. Ich wünsche mir ein nächstes Leben. Eins mit mehr Stärke, Ermutigung und Kraft. Und eins mit weniger Ängsten, weniger Dunkelheit und mehr Licht. Aber ich fürchte, das wird mir verwehrt bleiben und ich muss versuchen dieses Leben zu nehmen, wie es ist und das Beste daraus machen. Egal wie schwer es mir oft fällt.

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