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Posts Tagged ‘Verlassen’

„Es wird dir nicht gefallen das zu hören, aber besser du erfährst es von mir, als von jemand anderem.“

„Hm.“

„Ich habe einen Mann kennengelernt.“

„So?“

„Ja. Wir verstehen uns gut.“

„Schön.“

„Mehr als das. Ich habe mich verliebt.“

Er ließ die Zeitung sinken. Sein Blick traf mich und ging gleichzeitig durch mich hindurch.

„Reichst du mir die Kaffeekanne.“

„Sie steh direkt vor dir.“

Er schenkte sich ein.

„Und was willst du mir sagen? Verlässt du mich?“

„Soll ich das denn?“

„Wenn du das für klug hältst? Deine Entscheidung.“

Ich hatte mehr erhofft, aber nicht erwartet. Die Zeitung in seinen Händen zuckte. Ich wusste, er wollte weiterlesen. Es gab keinen anderen, aber die Entscheidung war gefallen.

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„David! David!“

Ich rufe, schreie, schlage mit den Fäusten gegen die Tür, bis meine Hände wund und blutig sind. Niemand öffnet.

Ich kauere mich auf der Türschwelle zusammen. Ich weine so lautlos, wie ich zuvor Krach geschlagen habe. Tränenströme rinnen über mein Gesicht. David ist fort. Einfach fort. Ohne ein Wort gegangen und hat mich an diesem schrecklichen Ort zurückgelassen.

Der Regen setzt ein. Vermischt sich mit meinen Tränen. Ich sauge ihn auf. Erst meine Kleider, dann meine Haut. Er überflutet mich inwendig, füllt mich an bis zum Rand, um wieder aus meinen Augen hervorzutreten und erneut über meine Wangen fließt.

Vielleicht bin ich schuld? Schuld am Regen? Hat meine Traurigkeit den Himmel veranlasst seine Tränen über mich auszuschütten? Meine Glieder schlottern, meine Zähne schlagen aufeinander.

„Steh auf!“, schreit die Stimme in meinem Kopf.

Ich halte ihr den Mund zu. Rühre mich nicht. Irgendwann weicht mich der Regen auf, löst meine Zellen und spült mich den Rinnstein hinunter.

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Wenn du dich meiner

Entledigen willst,

eine andere Schönheit

Vorziehst, mich in den Sandsturm

Schickst dass mir Hören und Sehn

vergeht

Meine Hände nichts fassen die Haut

Im Staub fast erstickt

Will ich dich längst nicht verlassen

 

Ich warte auf andere Tage warte

Töricht? auf deine Reue,

schon morgen

Setzt die vorgezogne Geschminkte

Du vor die Tür ziehst eilig den Riegel

Nelken bringt mir der Mittag

am Abend

Läufts mir hungrig entgegen bietest

Mir deinen Mantel ich

 

Gehe nicht ohne dich Tausend-

Äugiger Antreiber millionen-

Fingrige Faust Hoffnung auf Hoffnung

 

Sara Kirsch

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Tränenfluten

Ich legte den Telefonhörer auf. Die Tränen laufen wie Sturzbäche über mein Gesicht. Ob ich jemals wieder aufhören kann zu weinen? Ich kann kaum Atmen. Der Druck auf meinem Herzen ist so groß, dass es gleich aufhört zu schlagen. Die Qual ist heftiger, als jeder körperliche Schmerz, den ich bis jetzt empfunden habe.

In meinem Kopf formt sich kein klarer Gedanke, einzig das Wort: warum. Es wiedeholt sich in einer Endlosschleife, aus der ich keinen Ausstieg finde.

Niemand kann meinen Schmerz lindern. Nur der Mensch, der ihn verursacht hat. Allerdings ist er der Einzige, der sich in eisiges Schweigen hüllt, nachdem er allerhand nebulöse Phrasen für mich über hatte, um mir sein unerwartetes Verlassen zu erklären. Nur nicht die Wahrheit.

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