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Posts Tagged ‘Wasser’

Lea steigt aus dem Taxi. Das Erste, das ihr noch vor dem Haus auffällt, ist der Duft. Eine leichte Brise trägt Rosen und Lavendelduft mit sich. Darunter mischt sich das Aroma von überreifen Beeren und Gras, außerdem dringt das Plätschern von Wasser an ihr Ohr.

Das Taxi braust davon. Lea lädt sich ihr Gepäck auf. Rucksack, Reisetasche und einen große Trolley. Der Rest ihrer Besitztümer, der Hauptsächlich aus Büchern besteht, kommt mit einem Container. Sie tritt durch das verrostete Gartentor. Ein Flügel hängt schief in den Angeln. – Wenn es entrostet und gestrichen ist, wird es ein kleines Juwel sein. – Lea bemerkt die kunstvollen Verzierungen, aus Blättern und Blüten, mit Begeisterung. Mit Mühe zerrt sie ihren Trolley über den zugewucherten Weg zum Haus. Der Garten gleicht einem Urwald. Zulange hat niemand hier gelebt und die Natur forderte ihr Reich zurück.

Auch das registriert Lea mit Begeisterung. Die vor Kraft strotzenden Pflanzen gefallen ihr. Egal ob Unkraut oder Nutzpflanze. Lea liebt sie alle. Bevölkert von schillernden Insekten, die von eifrigen Vögeln verspeist wurden, Mäusen, Schildkröten, die in aller Seelenruhe durch die hohen Gräser stampften, Geckos, die sich in der Mittagshitze in ihren Verstecken verkriechen um in der Abenddämmerung auf Raubzug zu gehen. Irgendwo in der Nachbarschaft meckert eine Ziege.

Lea sieht das Haus zuerst durch die Zweige der alten knorrigen Oliven, die einen schützenden Kreis bilden. Sie fühlt sich wie ein ungebetener Gast. Vor der kleinen Treppe zur Veranda stellt Lea ihr Gepäck ab und staunt. – Das ist es also. Unglaublich! Es ist wunderschön. –

Die weiße Villa hat die Form einer Südstaatenvilla, nur zierlicher. Viereckig, mit einer rundumlaufenden Veranda. Es besteht aus einem Erdgeschoss und einer erste Etage. Zum Teil ist es mit Bougainvillea, Jasmin, Clematis und wildem Wein bewachsen. Trotz des desolaten Zustandes kommt es Lea vor, als sei es direkt aus einem ihrer Träume in die Wirklichkeit versetzt worden. – Das ist ein Traum. Ich werde aufwachen und alles wird verschwunden sein. – Aus einem Impuls heraus streckt sie die Hand aus und umfasst das Treppengeländer. Sie fühlte die abblätternde Farbe, das aufgeraute Holz, die Wärme die von ihm ausgeht. – Echt. Es ist echt. – Lea seufzt.

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Die Natur ist beinahe zum Verzweifeln schön. So schön, dass es mir die Kehle zuschnürt. Tränen steigen mir in die Augen. Schönheit erfreut mich über alle Maßen. Gleichzeitig erfüllt sie mich mit Trauer. Sie macht mir bewusst, wie vergänglich alles ist. Besonders jetzt im Herbst.

Das Wasser des Baches springt gurgelnd über die Steine, Blätter schwemmen sich zu Dämmen auf. Der Wind streicht durch die Äste der Bäume, füllt sich mit dem Duft der Kiefernnadeln. Er reißt die letzten Blätter von den Obstbäumen. Die winzigen harten Äpfel liegen auf kleinen Haufen unter ihren rauen Stämmen. Die letzten Blüten leuchten wie bunte Perlen in der Sonne. Die Vögel jagen sich durch die entlaubten Baumkronen.

Ich atme, atme, atme. Sauge alles in mich hinein. Die kühle Luft, den aromatischen Duft aus Erde, Blättern, Wasser, das goldenen Licht des Herbstmorgens, das rauschen des Windes in den Tannen und das Murmeln des Baches unter den Weiden. Könnte es doch immer so sein. Zeitlos goldene Tage.

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Aufgelöst

Er stand im Halbdunkel der Diele. Das Haus war kühl und still. Ganz anders als die Kurklinik, in der er die letzten Wochen verbracht hatte. Dort war es warm und hell. Unendliche viele Geräusche erfüllten die Räume. Die unterschiedlichsten Menschen durchströmten die Zimmer und Flure. Die Kälte in seinem Haus jagte ihm einen Schauer durch den Körper und ließ seinen ausgezehrten Leib zittern. Die Tür fiel ins Schloss. Die junge Frau, die ihn heimgefahren hatte, war gegangen. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Er weinte. Weinte wegen der grausam verrinnenden Zeit, die ihn allein zurück gelassen hatte. Alles, was sein Leben die letzten Wochen ausgefüllt hatte, gehörte der Vergangenheit an, wie er selbst. Nur der Koffer und ein paar Plastiktüten waren Beweise für sein Fortsein. Jedes Ding stand unverändert an seinem Platz. So würde es weitergehen. Tag für Tag, bis sein Herz nicht mehr schlagen wollte. Er stand da in der schmerzenden Stille, die ihn anbrüllte wie ein Orkan und seine Tränen wurden zu Strömen, die nicht enden wollten.

Als seine Tochter am späten Nachmittag kam, um nach ihm zu sehen, fand sie nur noch seine nassen Kleidung in einer großen Wasserlache.

Nachruf:

Er ging den Weg des Wassers

Von der Quelle ins Meer

Vereinigte sich mit

Millionen Tränen einsamer Seelen

Um nie mehr allein zu sein

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