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Posts Tagged ‘Winter’

Der Winter, den wir sehnsüchtig erwartet hatten, brach mit ungeahnter Macht über uns herein. Flüsse und Seen überzog eine dicke Eisschicht. Schnee fiel seit Tagen und begrub die Dörfer, Städte und Wälder unter sich. Die Bäume ächzten unter der Last der weißen Pracht. Die Tiere zogen sich in ihre Höhlen zurück und drängten sich enger zusammen.

Arie stand am Fenster und starrte durch das kleine Loch, das er mühevoll in die Eisblumenschicht gerieben hatte. Wie lange es wohl noch dauert, bis ich mit Milo und Franci schlittenfahren kann, überlegte er und seufzte sehnsüchtig.

Ein leises Knacken der Holzdielen ließ ihn aufhorchen. Dann folgte ein rhythmisches Tapsen. Wie kleine Kinderfüße in schnellem Getrappel. Ich bin doch allein, alle sind ausgegangen, dachte er, und Geister gibt es nicht. Arie atmete tief durch und drehte sich langsam um. Was er sah, versetzte ihn in ungläubiges Staunen und zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht.

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Liegt Langeweile auf der Hand
Stört die Fliege an der Wand
Nicht so wie der Sand
Verrinnt im Glas der Stunde
Ach lass mich noch`ne Runde
Schlafen

Ich glaube, diese Zeilen sind mir deswegen eingefallen, weil heute mein erster Urlaubstag ist. Ich hatte mir keinen Wecker gestellt, wurde dann aber ziemlich unsanft von meiner Tochter aus dem Bett geworfen, weil sie dringend zum Bahnhof musste. Erster Tag eines Seminars 🙂 und schließlich möchte Mama nicht, dass das Kind zu spät kommt. Ich bin froh, dass mich niemand gesehen hat – oder zumindest nur im Vorbeirauschen. Halb im Schlafanzug, die Haare auf Sturm – aber !!! Zähne geputzt. Zum Glück ist Sommer. Schlimmer war es im Winter bei minus 10 Grad, aber bis dahin ist das Seminar längst vorbei.

Und ich habe meine 6 Zeilen für mein 365-Tage-Projekt. Ob die Musen solche Sonderfälle vorgesehen haben? *g*

Euch allen einen wunderschönen Tag und einen guten Start in die Woche.

Eure Caro

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Die Hitze der letzten Tage hat die Luft mit den Aromen des Sommers angefüllt. Es duftet nach reifem Korn, erinnert mich fast etwas wehmütig an den Herbst, gemähtem und vertrocknendem Gras. Angereichert mit den Essenzen sterbender Blüten. In einer anderen Zeit wird mich der Duft immer an diesen besonderen Sommer erinnern, in dem ich alles viel stärker fühlte, Glück, Unglück, Farben, Düfte, Musik, mich selbst.

Ich sitze auf dem Balkon, lausche in die sternklare Nacht. Von den nahen Teichen höre ich die Frösche quaken, einige Grillen zirpen im Gras, scheinbar selbst erschöpft von der Hitze des Tages. Nur die Fledermäuse huschen in einem rasanten Tempo durch die samtene Nacht, auf Beutezug. Alles andere geht langsam vor sich. Jede Bewegung, sogar die Gedanken verlangsamen sich in diesem südlich anmutenden Sommer. Ich frage mich, teils bang, teils neugierig, ob ich diese betörenden Gefühle über die Grenze des Herbstes in den Winter tragen kann, oder ob es mir nicht vergönnt sein wird, nachdem ich mich so lange danach gesehnt habe.

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Eine blaue Blume

Kühl fiel silbernes Mondlicht auf den Weg zwischen den abgeernteten Feldern. Es war lange her, dass ich zu so später Stunde unterwegs gewesen war. Doch in dieser Nacht hatte ich einen beunruhigenden Traum gehabt: Die letzte blaue Blume sollte fallen. Was hatte das zu bedeuten? Die letzte Hoffnung, die letzte Liebe, die letzte Stunde?

Um den Weg abzukürzen lief ich über das Feld, Stoppeln stachen meine Beine, wie Widerhaken wollten sie mich am Fortkommen hindern. Angstvolle Besorgnis beschwerte mein Herz.

Schon von weitem konnte ich ihn sehen. Der dunkle Mantel, das blitzende Werkzeug des Scharfrichters.

„Nein! Lass sie, tu ihr kein Leid!“, rief ich ihm zu.

Er drehte sich zu mir um. Sein bleiches Gesicht sah traurig aus, schwarze Augen erhellt vom Mondlicht.

„Keine Angst, mein Kind, ich wollte ihr nichts Böses. Riechst du ihren hingebungsvollen Duft, der sich vermischt mit Abendtau und schwerer Erde.“

Er verstummte und es dauerte mich, den Tod so bekümmert zu sehen. Sanft berührte ich seine kalte Hand. Sehnsuchtsschwere erfüllte mein Herz. Sehnsucht nach den lauen Nächten des Sommers, dem Gesang der Nachtigall, dem betörenden Duft der Rosen, den scheuen Küssen junger Mädchen, dem leuchten der Sterne. Plötzlich hatte ich Angst. Angst dies alles nie mehr zu sehen.

„Hab keine Sorge, Kind, deine Zeit ist noch nicht da. Der Winter kommt, blad fällt der erste Schnee, deckt sanft den Erdgott zu und dann, im nächsten Jahr, wird alles wiederkehren.“

„Was wird aus der blauen Blume? Sie ist die letzte ihrer Art. Kann sie den Winter überdauern, dir wiederstehen?“

Der Tod lachte leise.

„Ihr Menschen habt soviel Angst vor mir, dass ihr das Leben nicht genießen könnt. Ihr lebt so wild, so schnell, auf Teufel komm heraus und darum, kommt er auch heraus.“

Ich wusste was er meinte.

„Ich weiß, und es bedrückt mich sehr, dass wir so wenig Schönes sehen, das uns direkt vor Augen steht und wir nach immer Größerem streben. Mehr Geld, mehr Haus, mehr Auto, mehr Vergnügen. Und dann, wenn unsere Zeit gekommen ist, so wenig Glück verspürt haben, dass uns das Herz bricht.“

Der Tod sah mich lange an, dann brach er die blaue Blume. Er gab sie mir und sagte:

„Bewahr sie gut, die blaue Blume Hoffnung. Solange du die wichtigen Dinge siehst, solange wird sie blühen und wenn wir uns eines fernen Tages wiedersehen, dann sei gewiss: es wird ein gutes Zusammentreffen sein. Solange lebe, liebe glücklich und sieh!“

„Danke“, sagte ich bewegt. Ich betrachtete die blaue Blume in meiner Hand. Wie wunderschön, wie zart, wie betörend duftend sie war.

Als ich mich umsah, war ich allein. Es war nicht die letzte Stunde, die letzte Liebe, nicht das Ende der Hoffnung. Die Angst war fort. Ich trug alles in mir. Der Winter konnte beginnen.

 

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