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Posts Tagged ‘Wirt’

„Wenn dir jemand einreden will, es gäbe keine Monster, glaub ihnen kein Wort“, flüsterte der alte Mann.

Magnus sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.

„Was redest du für einen Unsinn, Alter!“, winkte er ab, „du hast viel zu tief ins Glas geschaut. Aus dir spricht der Fusel.“

In seiner Ehre gekränkt richtete sich der Mann auf. Sein Blick war klar und seine Stimme fest, als er sagte:

„Ich habe die Monster gesehen, Herr. Wenn ihr mir nicht glaubt, überzeugt euch selbst.“

Er legte ein Goldstück auf den Tresen. Der Wirt starrte ungläubig darauf, dann schnappte er danach, als würde sein Leben davon abhängen.

Der Alte erhob sich. Magnus rührte sich nicht.

„Nun, Herr? Habt ihr Angst oder seid ihr bereit, zum Abenteuer eures Lebens aufzubrechen.“

Träge erhob Magnus sich. Was kann es schaden, dachte er, allenfalls ein paar verschenkte Stunden.

„Aber ich muss euch warnen: wenn ihr sie einmal gesehen habt, gibt es kein Zurück.“

Wieder winkte Magnus ab.

„Unk nicht, sondern zeig mir deine Monster, dann werden wir ja sehen.“

Der Mann nickte mit bedeutungsschwerem Blick. Magnus sah ein gefährliches Funkeln, das zuvor nicht dagewesen war und fühlte einen leisen Zweifel aufsteigen. Doch sein Stolz verbot ihm, sein Angebot zurückzuziehen.

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Der Pub befand sich in einem schäbigen Viertel, in einer engen Seitenstraße. Ihr Kopfsteinpflaster glänzte vom Regen. Das Neonschild über dem Eingang mit der Aufschrift „Green Shamrock“ hatte seine besten Jahre gesehen, ebenso wie der Pub selbst. Zu der eisenbeschlagenen Eingangstür führten drei Stufen hinab und man befand sich im Souterrain eines alten verlassenen Fabrikgebäudes, dass eine Weberei beherbergt hatte. In seinen guten Jahren verschaffte sie hunderten Menschen Nahrung und Brot. Das war lange her und nur der Pub, ehemaliger Treffpunkt der Arbeiter, war übrig geblieben.

Im Schankraum war die Zeit stehen geblieben. Schwere rohe Eichentische und Stühle bildeten das Mobiliar auf ausgetretenem Ziegelboden. Die antiquarischen Hängelampen an den niedrigen Decken spendeten gelblich dumpfes Licht und gaben den schäbigen Tapeten und abgestoßenen Möbel einen gnädigen Anschein. In einer Ecke befand sich ein Podium mit einem schwarz lackierten Klavier und ein paar Stühlen für die Band.

Das Prachtstück im „Green Shamrock“ war der fünf Meter lange Tresen aus poliertem Nussbaumholz. Gedrechselte Säulen hielten einen Überbau, auf dem Malcolm der Wirt seine Schätze hortete. Elegante Flaschen mit honiggelbem Whiskey aller Altersklassen und Qualitäten, standen neben dickbauchigen Flaschen mit erdfarbenem Rum, gereift in Fässern, und schlanke konische Flaschen mit glasklarem Wodka. Daneben füllten andere Flaschen mit bunten Inhalten und großen Gläsern die Regale hinter der Bar, um neumodische Cocktails zu mixen. 

„Hallo Malcolm wie geht`s?“

Der hagere Mann im abgetragenen schwarzen Anzug tippte lässig an sein Hütchen.

„Danke Danny und selbst.“

„So lala. Habe gerade einen Hunderte beim Hunderennen verloren.

Malcolm grinste.

„Du solltest inzwischen schlauer sein mein Alter. Mach heute Abend ein gutes Spiel, dann gibt´s vielleicht ein ordentliches Trinkgeld von den Ladys.“

Er deutete mit dem Kopf auf einen Nischentisch, an dem vier luxuriös gekleidete Frauen mittleren Alters vor ihren Cocktails saßen. Nicht die Klientel, die sonst im „Green Shamrock“ verkehrte. Danny grinste anzüglich.

„Die mit den langen blonden Haaren ist ein heißes Geschoss. Erinnert mich an meine Ex.“

Malcolm wiegte den Kopf hin und her. Er kannte Dannys Ex, wildes Huhn. Hatte Dannys Klamotten aus dem vierten Stock geworfen, als sie erfuhr, dass er sie betrog. Na, ich hab ihn gewarnt, dachte Malcolm, Danny hätte vorsichtiger sein sollen.

„Was willst du trinken?“, fragte er Danny.

„Einen Doppelten zum Aufwärmen.“

Danny stieg auf das Podium. Bevor er den Deckel des Klaviers aufklappte, strich er zärtlich über das glatt lackierte Holz. Danny liebte es zu spielen. Es war das Einzige, dass er wirklich gut konnte. Er besaß echtes Talent, hatte aber nie gelernt es zu nutzen. So verbrachte er seine Wochenenden schon viele Jahre im „Green Shamrock“. Malcolm zahlte gut für den Abend. Drinks und Essen gab`s gratis und die Leute waren spendabel. Danny rückte sich den Klavierhocker zurecht und setzte sich.

„Hier Danny“, Malcolm stellte Danny den Whiskey aufs Klavier, „Slainte!“

Danny hob sein Glas, prostete Malcolm zu. „Slainte!“ dann nahm er einen kräftigen Schluck. Der goldene Alkohol floss mit einem leichten Brennen seine Kehle hinab. Danny legte die Finger sacht auf die Tasten, schloss die Augen, behutsam schlug er die ersten Tasten an, traumwandlerisch sicher. Dannys  verkniffenen Züge entspannten sich und die Wärme, die sich in seinem Körper ausbreitete tat ihm gut.

Die leise Klaviermusik nahm dem „Green Shamrock“ die nervöse Stille. Die vier Frauen, die zuvor nur wenige kurze Sätze gewechselt hatten, wurden langsam redseliger. Dazu trug mit Sicherheit auch ein extra Schuss Alkohol in den Cocktails bei. Malcolm hatte es sich zur Gewohnheit gemacht den ersten Cocktail des Abends mit mehr Destillat aufzupeppen. Das lockerte die Stimmung und führte zum nächsten Drink usw.

Emily, Beth, Sara und Paula kannten sich seit Kindertagen. Sie wohnten in einer spießigen Kleinstadt, besuchten dieselben Schulen und schrieben sich an derselben Uni ein. Jede kannte die Geheimnisse der anderen und auch als sie durch Jobs, Heirat und die Unwägbarkeiten des Lebens getrennt wurden, hielten sie ihre Verbindung aufrecht. Alle drei Monate trafen sie sich zum Plausch. Das Treffen im „Green Shamrock“ hatte nichts mit einem Schwätzchen unter Freunden zu tun. Es ging um eine ernste heikele Angelegenheit. Erpressung.

„Zeig mal deinen Brief.“

Beth nestelte nervös an ihrer langen Goldkette herum.

„Nein, bitte Sara! Das Ganze ist so peinlich, dafür gibt`s keine Worte. Du weißt doch was drin steht.“

Sara lachte gekünstelt.

„Schon. Aber ich will sicher sein, dass es wirklich derselbe Mann ist.“

Emily zog einen braunen Umschlag aus ihrer Coco Chanel Tasche.

„Er ist es!“, unwirsch zerrte sie das Foto aus dem Umschlag, „Hier! Das Tattoo. Meinst du es gibt viele Kerle mit einem chinesischen Drachen quer über den Rücken?“

Sara schüttelte den Kopf. Gebannt betrachtete sie das Foto, dass Emily und Jack, falls das sein richtiger Name war, in einer mehr als eindeutigen Pose zeigte. Ihr Foto sah beinahe identisch aus. Selber Mann, andere Frau. Sie dachte an die Nacht mit ihm und ein Schauer lief ihr über den Rücken, zog sich bis hinauf in ihren Nacken. Sara fühlte wieder die kühle Seide auf ihrer Haut, den Duft von Moschus und Liebessäften, das Prickeln des Champagners in ihrer Kehle. Jack war ein Gauner, ein Betrüger, ein Verbrecher – Abschaum. Es gab keine Bezeichnung die schlimm genug für ihn war, und doch hatte Sara mit diesem Kerl die beste aller Nächte verbracht. Sein muskulöser Körper wurde höchstens von Michelangelos David übertroffen und nicht nur das. Er war ein Liebhaber, wie sie vorher keinen gekannt hatte. Sie zweifelte ernsthaft daran, dass sie jemals wieder solchen Wahnsinnssex haben würde. Möglicherweise lag es an dem Reiz verruchten Reiz des Verbotenen, ein One-Night-Stand während einer Geschäftsreise. Aber Sara wusste, dass dies allein nicht gereichte, um sie zu beeindrucken. Tatsächlich beherrschte der Mistkerl das Spiel, als hätte er es erfunden. Jack kannte alle Tricks. Seine Finger waren Zauberstäbe, von seinem makellosen Schwanz ganz zu schweigen. Und was er mit seiner Zunge machte! Sara errötete bis unter die Haarspitzen, dankbar für das schummrige Licht, dass solche Peinlichkeiten kaschierte. Der Haken an der Sache war, Jack wollte sich für das Erlebnis der Extraklasse bezahlen lassen. Vierfach. Wie sich herausstellte trieb Jack in vielen Betten sein Unwesen. Saras Vermutung nach, waren sie nur die Spitze des Eisberges.

„Scheiße! Wir müssen was tun und zwar bevor er die Fotos an unsere Männer schickte. Tom schmeißt mich hochkant raus wenn er mitkriegt, dass ich ihn betrogen habe.“

Die Freundinnen sahen Paula irritiert an. Noch nie hatten sie Paula fluchen gehört.

Ich überlege noch, was ich mit Jack anstelle *g*, aber es sollte ihm schon etwas wehtun 😉 .

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