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Posts Tagged ‘Zauberland’

Der Weg war lang und beschwerlich. Noch vor dem ersten Hahnenschrei hatte ich mich aufgemacht den Berggipfel zu erklimmen. Gestern, bei bester Sicht, war mir das Unterfangen als Leichtigkeit erschienen, aber nun war ich mir nicht mehr sicher. Es herrschte dichter Nebel, der wie ein Krake seine Arme nach mir ausstreckte und mich mit jedem Schritt mehr beschwerte. Ich kämpfte mich Meter für Meter vorwärts. Pascal hatte mir abgeraten, aber ich war es mir schuldig den Berg zu erklimmen und zu beweisen, dass ich mich niemals beugen würde, egal was mir bevorstehen sollte. Immer fester umschlang mich der Nebel, feucht und kalt, spürte ich den Atem des Versagens mir dicht auf dem Fuße. Ich hatte Angst, es könnte mich erreichen und verschlingen.

Als es mich fast ergriffen hatte und mein Herz vor Todesangst erschrak, trat ich plötzlich heraus aus dem Nebel und die Sonne blendete mich, wie Julia ihren Romeo. Ich musste mir die Hand vor Augen halten, um mich langsam an den Glanz und die Klarheit heranzutasten, die vor mir lagen. Mein Herz atmete auf und ich war verzaubert von der Schönheit, die mein Auge erblickte. Es war als hätte ich durch die Wand des Nebels ein anderes Land betreten. Ein Zauberland aus Gipfeln unaussprechlicher Pracht. Wie Edelsteine lagen sie vor mir. Ihre schneebedeckten Spitzen leuchten und schimmerten. Niemals vorher habe ich derart Großartiges gesehen. Während ich hinaufstieg, stieg ich hinab in meine tiefsten Ängste, um hernach die Belohnung der Wiedergeburt zu erlangen.

Dieser Text entstand an Anlehnung des Bildes „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich.

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