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Posts Tagged ‘Zirkel’

„Es ist noch nicht einmal die Demütigung, Geschichten schreiben zu müssen, die unter meiner Würde sind. Das ist mir egal,  aber nicht an meinen Sachen arbeiten zu können, obwohl es das Einzige ist, das ich je gewollt habe. Ich habe das Gefühl, dass das ganze Material in mir drin schlecht wird. Wenn ich es nicht bald niederschreiben kann, werde ich es für immer verlieren.“

„Ich kann nicht. Ich bin zu müde, um nachzudenken. Morgens überkommt es mich manchmal, aber bevor ich irgendwas aufschreiben kann, schreit das Baby oder ich muss zur Arbeit aufbrechen. Und am Ende des Tages sind dann keine Worte mehr übrig. Außerdem sind wir hier so weit von allem entfernt. Ich habe keine Ahnung, wer gerade was schreibt und was wichtig ist.“

Aus Madame Hemingway, Paula McLain

Zurzeit lese ich gerade Madame Hemingway (siehe Zitate). Das Buch ist gut und flüssig geschrieben, und beschreibt die Beziehung zwischen Hemingway und seiner ersten Frau, während der Jahre in Paris. Teils wahr, teils fiktiv. Davor habe ich Hemingways Buch „Paris – ein Fest fürs Leben“ gelesen. (Inspiriert durch Woody Allens Film: Midnight in Paris, den ich übrigens genial finde und wegen seiner Atmosphäre liebe.)

Ich liebte „Paris – ein Fest fürs Leben“ von der ersten Zeile. Das Leben der Boheme der 20er Jahre springt einen an. Schreiben in Cafés, Schriftstellerzirkel, gemeinsame Verlage und Projekte, Dispute, gemeinsame Reisen, Feste, Familien, Affären. Und neben all dem schrieben sie sich die Seele aus dem Leib. Ein kreatives Knäul aus Schriftstellern, Verlegern und Förderern.

Kunst war Kunst, um der Kunst willen (bis es plötzlich chic war Künstler zu sein oder einen zu kennen). Man trieb sich gegenseitig an und entwickelte sich weiter. Das Schreiben stand an erster Stelle.

Das ewige Ringen nach dem Wort. Eine Qual, ohne die ein Schriftsteller nicht leben kann, denn nichts kommt dem Gefühl gleich, einen guten Text zu schreiben. Wir haben nichts, nur unser Talent und unsere Motivation, auch das erkämpfen wir uns schwer. Wer kann einen Schriftsteller verstehen? Ein anderer Schriftsteller, wenn man Glück hat.

Hemingway war ein Genie, man mag ihn mögen oder nicht, Ansichtsache. Er hatte ein Kriegstrauma, kein Geld, aber eine Familie, die er ernähren musste, diverse Rückschläge usw. Eine Kerze, die an zwei Enden angezündet wird, verbrennt schneller. Ich weiß, wie anstrengend es ist alles im Gleichgewicht zu halten. Familie, Arbeit, der Alltag mit allem was an Sorgen dazu gehört, und das Schreiben, dass ich tun muss, auch wenn ich kein Schriftstellergenie bin.

Ich ringe nach Worten, zweifele, schreibe, versuche herauszufinden was einen guten Text ausmacht und mir trotz Schreibregeln, mit dem uns Ratgeber und Gurus zuschütten, nicht den Spaß und die Intuition verderben zu lassen. (Also nicht, dass manche Ratschläge sinnvoll sein mögen – aber zu viel des Guten hemmt den Fluss.) Auf der Suche nach dem wahren Satz, wie Hemingway es nannte. Leider sind auch bei mir nach einem langen Tag, oft keine Worte mehr übrig(siehe Zitat). Mein Kopf ist voll, aber ich kann den Sturm nicht bändigen.

Dazu ein schönes Zitat von Marie von Ebner Eschenbach: „Es schreibt keiner wie ein Gott, der nicht gelitten hat, wie ein Hund.“ Ich will mich nicht beschweren, wenn Leid mich läutern und Musen inspirieren sollen, um ein guter Schriftsteller zu sein, dann bitte, muss ich damit leben. Zumindest bin ich in guter Gesellschaft.

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3.September 2010

Es ist offiziell. Mein erstes Buch ist da und ich darf von mir sagen, dass ich Schriftstellerin bin. Noch keine Anais Nin, aber das wäre auch zu viel … was die männlichen Schriftsteller betrifft, möchte ich mir da kein Vorbild nehmen, aber die Richtung gefällt mir schon.

Die Zeiten sind heute anders. Die literarischen Zirkel sind nicht mehr das, was sie früher waren. Auch bei mir ist es ja nicht mehr wie früher. Die gemeinsamen Schreibvormittage mit T. fehlen mir. Jemand zu finden, der das ersetzen könnte, ist nicht möglich. Die Situation zwischen war ohnehin eine Besondere.

Wir beide waren auf der Suche und das Schreiben war unser Mittelpunkt neben den Kindern. Die sind heute groß.

Es war einfach eine tolle Zeit, morgens auf der Terrasse oder in der Küche sitzen, schreiben. Mittags kocht einer und einer holt die Kids von der Schule ab. Gemeinsames Essen, Kaffeetrinken. So stellte ich mir eine Künstlerkolonie vor.

Ein großes Haus, jeder hat seine Wohnung und für alle gibt es auf einer Etage einen Atelierraum, zum Malen und Bildhauern, einen „Seminarraum“ in dem sich die Schreibgruppe trifft und in der Lesungen gemacht werden können. Eine Küche mit großer Essecke und eine Bibliothek. Dazu gibt es dann noch eine Art Schreibzimmer, das könnte mit der Bibliothek durch eine große Schiebetür verbunden sein. Dort stehen mehrere Tische, die man so hinschieben kann, wie man möchte und an denen man schreiben kann. Dazu könnte man spanische Wände aufstellen, um die Größe des Raums zu verändern. Außerdem gibt es eine Terrasse im mediterranen Stil. Wichtigster Gegenstand in der Küche, außer den üblichen Verdächtigen, ist eine supertolle Kaffeestation, die alles kann.

Zeit für Erinnerungen. Damals … aber manchmal will ich mich nicht erinnern. Mit den schönen Dingen brechen auch wieder die unschönen hervor, und wer will das schon?!

Die Zeit hat uns in alle Winde zerstreut und nun? Die Kinder laufen uns mit Riesenschritten davon und wir können nur zusehen.

Der Himmel ist blau, ein schöner Herbsttag. Eine warme sanfte Sonne scheint auf uns herunter und lässt vergessen, dass es kühler ist, als gedacht. Die Farben des Sonnenlichts im Lauf des Jahres zu beobachten ist faszinierend. Und auch wenn es immer derselbe Blick aus dem Fenster ist, sieht es doch anders aus.

Ich frage mich immer, wann ich anfing zu schreiben. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die ich schrieb, da war ich vielleicht acht oder neun. Sie handelte von einem Spatz, der sich verletzt hatte. Und ich, mein Alterego, pflegte ihn gesund. Also das war die erste, mir heute noch im Gedächtnis haftende, Erinnerung, an eine Geschichte, die ich aufgeschrieben habe.

Aber Geschichten habe ich mir schon früher ausgedacht. Ich weiß, dass ich Bücher geliebt habe, sie sind meine wichtigste Erinnerung an meine jüngste Kinderzeit, was Spielzeug betrifft, noch vor Lego und Puppen … . Aber als unsere Familie auseinanderbrach (ich war sieben), habe ich angefangen jeden Abend, an dem ich nicht einschlafen konnte, Geschichten auszudenken. Nur für mich allein. Dieses Ausdenken gibt es heute noch. Wenn ich nicht einschlafen kann, weil ich über Dinge sinniere, die ich sowieso nicht ändern kann, dann mache ich einen Schnitt und versetze mich an einen anderen Ort und denke mir etwas aus. Eine Art Meditation, auch wenn ich selten an denselben Ort gehe.

Vor mir steht eine Schale Feigen. Es reizt mich sie zu essen, aber auch eine Geschichte über sie zu schreiben. Jazz im Hintergrund, eine entspannte Stimmung, eigentlich nicht der Tag um eine harte Fantasystory zu schreiben, aber vielleicht auch gerade deswegen.

Der Herbst versetzt mich immer in melancholische Stimmung. Wieder ein Jahr, das auf das Ende zusteuert(im Supermarkt gibt es Lebkuchen??? Sind die verrückt?). Zeit, die „verloren“ ist. Obwohl ich dieses Jahr einiges erreicht habe. Aurelia, Feigenblatt und Lilith ist inzwischen recht weit gediehen. Der Schreibkurs macht Spaß und bis jetzt kommen alle noch gerne (hoffentlich weiterhin).

Dann steht ein Besuch Hanni an, auf den ich mich sehr freue. Die Buchmesse, ein Besuch zu Hause und dann im Dezember endlich meine Weiterbildung. Das hört sich alles so weit an, aber in Wirklichkeit rast die Zeit dahin.

Schriftsteller sein ist super. Endlich diese Bezeichnung offiziell zu tragen ist toll. Ich spüre zwar einen gewissen Druck, aber das schadet mir nicht. Für mich ist es wichtig Ziele zusetzen. Aber eins stelle ich auch immer wieder fest, ich lebe oft in meiner Fantasiewelt. Zwangsläufig. Immerhin ist es das, wovon der Autor lebt, womit er sein Geld verdient, wenn es gut läuft. Diese Gratwanderung zwischen Fantasie und Realität, zwischen Wunsch und dem, was man haben kann und was nur unseren Gedanken entspringt, ist schwierig. Ich muss mir immer wieder sagen, das ist nicht echt! Das ist dein Traum, dein Wunsch und in der Geschichte kann ich sie wahr machen. Nicht in der Wirklichkeit. Solange ich mir darüber im Klaren bin, wird es schon klappen, nehme ich an?!

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