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Posts Tagged ‘zweites Leben’

Für meine Krankheit gibt es keine Heilung. Niemals! Sehnsucht ist unheilbar und das Sehnen hört auch nicht auf, wenn man ganz genau weiß, dass der Gegenstand der Obsession nicht erreichbar ist. Eher im Gegenteil. Etwas das man erreichen kann stillt das Verlangen, sobald man es hat und ein neues Ideal tritt an seine Stelle. Können wir einen Traum oder einen Menschen nicht erreichen, sei es aus Mangel an Fähigkeit oder Zeit und Entfernung, manchmal auch Geld, dann ist diese Sehnsucht wie ein Virus, der sich in unserem Herzen und unseren Gedanken festsetzt und uns keine Ruhe lässt. Das Feuer lodert höher, je weiter der Wunsch von uns entfernt ist.

Ich habe in einer Zeitschrift eine orientalische Weisheit gelesen: „Alles wächst, wenn man ihm Aufmerksamkeit schenkt. Wenn du also etwas loslassen willst, darfst du ihm keine Aufmerksamkeit schenken.“ – Dieser Satz geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe soviele Sehnsüchte, dass ich manchmal denke, wenn ich sie nicht in mir einsperre, fressen sie mich auf.

Die Frage beschäftigt mich: Was bin ich ohne meine Sehnsüchte? Jetzt bin ich Geschichtenerzählerin. Ich bin es, weil meine Sehnsucht nach dem Leben nicht gestillt wird. Nach Abenteuer, fremden Ländern, Erotik, Liebe und Romantik, Sonne und Meer. Ich habe von allem ein Bisschen, aber meine Lebensgier sagt mir, dass es nicht genug ist. Da muss mehr sein! Mehr von Gefühlen, von Erregungen, Aufregungen, mehr Musik, Tanz, mehr Sternstunden.

Was bin ich, wenn ich aufhöre meine Sehnsucht und meine Musen festzuhalten? Dann bin ich wie die Masse. Aufstehen, essen, arbeiten, Fernsehen (PC, Feiern), schlafen gehen. Ich kann nicht so sein oder besser, ich will nicht so sein. Etwas muss bleiben. Und seien es nur die paar schwarzen Buchstaben auf Papier (oder im WWW). Ein Gedanke, eine Geschichte, eine Inspiration von mir, die andere zum Schreiben anregt. Irgendetwas muss bleiben! Meine Zeit läuft. (Ich nehme an, dieser Gedanke treibt die meisten Kunstschaffenden an. Die Angst vor der Sterblichkeit.)

Ich bewundere Menschen, die loslassen. Ich kann es nicht. Ich möchte, die wunderbaren Augenblick anhalten, wenn die Sonne im Meer versinkt und am nächtlichen Himmel die ersten Sterne aufblitzen. Ich möchte, ewig dem Rhythmus des Meeres lauschen, wenn die Wellen ans Ufer schlagen. Den Wind spüren, der mir um die Ohren weht, die Gischt, die mich benetzt.

Alles auskosten, jede Minute, jedes Gefühl. Immer wieder. Mich nicht zufriedengeben, nur mit diesem einen Augenblick. (Ich hasse solche Sätze wie: Uns bleibt die Erinnerung.) Niemals Abschied nehmen von den Menschen, die ich liebe. Mir immer neue Geschichten ausdenken. Mich im Rausch des Schreibens, in meinem geheimen, zweiten Leben austoben, bis ich völlig darin versunken bin. Ich möchte, andere zum Nachdenken bringen, sie aufmuntern, ihre Träume zu verfolgen und nicht aufzugeben.

Vielleicht ist das Loslassen einfacher. Festhalten ist anstrengend, kostet Kraft und Mut für das zu kämpfen, was einem wichtig erscheint. Es kommt ein Tag, an dem werde ich loslassen müssen, aber bis dahin werde ich mich an diesem Leben festklammern. Egal, wie frustriert ich manchmal über meine eingeschränkten Möglichkeiten bin. Ich mag nach außen weich erscheinen, aber in mir ist ein Feuer, das mich solange weiter treiben wird, bis das letzte Stück Sehnsucht zu Asche zerfallen ist. So wie es aussieht, wird es also noch ein Weilchen dauern, bis ich loslasse, denn Sehnsucht ist Unheilbar.

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